Donnerstag, 19. Februar 2009

Sayonara, Buon Dìa und wie sie nicht alle heißen…

Ich hätte nicht gedacht, dass ich mir jemals die Zeit nehmen würde, mich an den PC zu setzen und über die verschiedenen Nationalitäten an Bord zu schreiben. In der Tat gibt es hier eine Fülle an Potential für die dollsten Studien, aber dass ich das mal in die Tat umsetze, tststsst!
Nach etlichen Morgen, die nach dem Frühstück bei mir mit wahrhaftig geladener Stimmung angefangen haben, komme ich mal wieder zu dem Entschluss: sag niemals nie!
Auf dieser Kreuzfahrt haben wir mal wieder erstaunlich viele Japaner an Bord. Ich frag mich, wo die alle herkommen, aber das ist hier nicht die Frage. Zumindest sind es diese possierlichen Leutchen, die mich so über einen stinknormalen Tag auf See schlicht und einfach zur Weißglut treiben! Angefangen beim Frühstück: der Frühstücks-Saal, riesengroß und unendliche Weiten, ist vollgepackt mit Menschen. Auch noch um halb elf, wenn ich irgendwann zum Frühstück stolpere und die Crew-Küche meide, weil ich mal wieder schönes Obst essen möchte. Ich hab ja eigentlich die Wahl. Entweder very basic frühstücken, dafür aber in Ruhe. Oder leckeres feines Frühstück, dafür aber zu einem Preis der da heißt dummes Gequatsche überall um mich herum (ich behalte mir auch an dieser Stelle meinen Hang zur Übertreibung, will ja niemandem auf den Schlips treten!), ab und an die Frage „may I join you?“ und ich könnte dann immer entgegnen NEIN, darfst du nicht, seh ich so aus als ob ich Gesellschaft um diese Uhrzeit möchte??!!, und dann das schlimmste: ein Rudel voll Japaner. Alle auf einen Haufen. Die haben das Frühstück bereits seit acht Uhr morgens beendet, finden aber den ich nenn es mal Essenssaal, auch wenn es nicht richtig passt, super, um sich mit ihren Landsleuten herumzutreiben. Japaner spielen mit einer Lebenslust Scrabble, als ob es kein morgen gäbe! Zumindest habe ich drei Mal den Fehler begangen, mich in das Gewühl zum frühstücken zu begeben, eben, weil kein anderer Platz mehr frei war, und habe dies mit einem wirklichen Launen-Abfall bezahlen müssen! Diese Sprache, die in einem stetigen monotonen Aneinandergereihe von komischen Lauten und dazu einer Lautstärke wie auf dem Rummel vor sich geht: einfach Stress pur! Und dann die Scrabble-Steinchen… die permanent hin und hergemischt werden, das auf Tischen, die keine Tischdecke haben, und umso mehr Krach verursachen, wie in einer Kieselstein-Fabrik. Ich frage mich wirklich: wollen die nicht auch mal ihre Ruhe voneinander haben, in Japan ist es schon so eng und alles doppelt und dreifach gestapelt, da würde ich doch zumindest im Urlaub meine Ruhe haben wollen. Aber offensichtlich nicht. Es wird fleißig in der Gruppe – und die Japaner sieht man NIEmals allein! – gescrabblet, laut gerülpst, wenn es geschmeckt hat und in die Serviette geschnaubt. Arigato, und Sayonara!

Dies ist natürlich nur eine kleine Aufreihung meiner Erlebnisse aus meinem besonders eingeschränkten Sichtwinkel des Kreuzfahrt-Lebens. Ich bin sicher, dass es da auch ganz tolle Japanische Freunde gibt! (Nur habe ich die leider auch nicht getroffen, als wir mit dem Schiff in Okinawa angelegt sind – eher im Gegenteil….) Aber das soll ja nix heißen!
Dafür habe ich die Brasilianer wirklich ins Herz geschlossen! Immer am tanzen, feiern, zwar auch laut, aber dafür mit einer wunderschönen Sprache, das macht soo viel aus!! Und die sehen gut aus! Schon zwei Dinge, die sie den schlitzäugigen Nachbarn im Voraus haben.
Uuii, jetzt muss ich langsam meine Zunge hüten. Aber ich bitte vielmals um Entschuldigung, wenn ich etwas zu forsch loslege. Zu meiner Verteidigung: ich hatte heute früh einen dieser Scrabble-Morgen…
Russische Mitreisende haben wir auch immer einige. Die sind am allermeisten bekannt in den Boutiquen an Bord, und herzlich Willkommen! Bei Kreuzfahrten, wenn wir viele Russen an Bord haben, steigt der Umsatz wohl immer ordentlich in die Höhe.
Und die Australier und Neu Seeländer, die hab ich natürlich ganz besonders gerne! Die sind genauso cool, wie die Länder, in denen sie leben. So easy-going, cool, lässig, sonnig! Ich hab schon öfters gedacht, wenn Sydney nicht so verdammt am anderen Ende der Welt wäre, dort könnt ich mich sofort niederlassen! *träum*
Und meine Paisanos? Die Deutschen trumpfen auch an Bord mit ihren bekannten Eigenschaften. Pünktlichkeit steht da an allererster Stelle. Ich erinnere mich da nur zu gut an die ersten Fahrten, als wir um die vierhundert Leute zu betreuen hatten. Wenn man da eine Sprechstunde um elf angesetzt hat, konnte man hundertfünfzig Prozent davon ausgehen, dass mindestens fünfzig Leute schon eine Viertelstunde eher am Tisch stehen und mit den Füßen trampeln. DAS ist etwas, was ich ja zutiefst liebe! Um elf heißt um elf, und nicht dreiviertel! Wenn man dann auch noch drei Minuten zu spät kommt, weil man ständig die Uhr wegen irgendeiner Zeitverschiebung umstellen muss, dann ist aber was los! Um Himmels Willen! Ansonsten muss ich aber sagen, dass ich besonders auf den vergangenen Touren, als ich immer nur ein paar Zig Passagiere an Bord hatte, immer super nette Leute an Bord hatte. Die bringen ein Stückchen Deutschland mit her, und das ist doch auch ein schönes Gefühl.
Vor ein paar Tagen habe ich den Himmel auf Erden geschenkt bekommen! Gerade, als ich während meiner Sprechstunde einen „Spiegel“ vom letzten Oktober (ja, es war Kristinas ;-) vorgekramt hatte, um mich mit der Wirtschaftskrise ein bisschen vertraut zu machen, kam eine Dame meiner Gruppe an meinen Tisch. Eine ehemalige Flugbegleiterin, super nett und freundlich, sie hatte einen Stapel Zeitschriften aus Deutschland in der Hand, quasi noch druckfrisch, von Januar! Und nun habe ich endlich mal wieder eine deutsche Klatsch-und-Tratsch-Zeitung gelesen, einen Spiegel mit aktuellen Themen (immer noch Krise, gähn!) und bin wieder gut auf dem Stand der Dinge!
Ahoi und Arrividerci!

Dienstag, 17. Februar 2009

Rote Rosen und grüne Oliven

In den letzten Wochen hab ich mich wunderbar mit allem möglichen Sachen beschäftigen können, es hat sich, wie man es auch mal unbedingt brauch, eher nur um mich gedreht, als um den Grund, warum ich eigentlich an Bord bin. Arbeit hat mal Arbeit sein können und stand - wie es hier eigentlich sein sollte – nur an irgendeiner Stelle hinter der ersten, oder zweiten?

Bevor ich endlich aus-checken konnte, um Katja in Nelson auf der Südinsel besuchen zu können, und meinen Dauer-Ferien mal wieder so richtig einen WOW-Effekt beizusteuern, hatte ich das große Vergnügen, mit hochkarätigen Künstlern Champus zu schlürfen und geschwollen über Kunst zu quatschen. Die Rede ist von Michael Godard, der glaub ich ein US-Export-Schlager ist, und berühmt geworden ist, für seine Gemälde mit Oliven, die Hackenschuhe tragen, und er war es, der dem Dirty Martini die Krone aufgesetzt hat. Ich persönlich habe vorher noch nie was von ihm gehört, seine Werke hängen allerdings in jeder Kunstgallerie der Princess-Flotte. Genauso verhält es sich mit Bill Mack, der die Original Hollywood-Buchstaben gekauft hat, und daraus Gemälde-Drucke mit den Stars und Sternchen, die Hollywood hervorgebracht hat, gemacht hat. Und nicht zuletzt Nechita, ein Mädel in meinem Alter, millionenschwer für ihre Skulpturen und Bilder. Nunja. Ich kann das ganz einfach entschuldigen, dass ich in der Elften Kunst abgewählt hatte, also kein Grund, sich zu schämen. Wir hatten Ende Januar zwei Art-Connoisseur-Cruises in Folge, je mit einem oder zwei dieser „Stars“ an Bord. Und zu deren Anlass gab es auch ständig irgendwelche Champagner-Empfänge in der Art Galerie, die rein zufälligerweise direkt auf meinem Weg zu meinem Arbeitsplatz im Atrium führt. Aber ich habe mich natürlich nicht uneingeladen dareinstibitzt, sondern bin mit meinen coolen, einflussreichen Freunden mitgegangen. Und so trifft man wieder auf Leute, die Leute kennen, und man hört die dollsten Geschichten… Ich bin ja so froh, dass ich für Kunst in dieser Preisklasse noch nicht so viel übrig habe…

Mein Besuch bei Katja war wohl der Ober-Hit meines kompletten Vertrages hier! Ich hätte nicht im Traum gedacht, dass ich mich tatsächlich für ein paar Tage von Bord stehlen könnte!? Katja und ich hatten bei unserem Zusammentreffen zu Weihnachten, bei einem ordentlichen Martini, eine glänzende Idee!
Ich bin am Nationalfeiertag der Kiwis per Flieger zu Katja gedüst und habe nun endlich sehen können, wie sie sich ihr neues zweites Zuhause so gestaltet hat. Nun kenne ich mich mit Nelsons Tag- und Nachtleben wirklich fabelhaft aus, und auch die Umgebung hat allerhand zu bieten. Das Beste war unser Ausflug in den atemberaubend schönen Nationalpark „Abel Tasman“, wo wir mit Kayak zu Wasser und von Blasen geplagten Sandalen zu Land auf Wanderung und Discovery-Tour gingen. Auch die nördlichste Spitze der Südinsel mit einem Wahnsinns-Strand, das Zentrum von Neu Seeland, also den zentralsten Punkt, und Katja’s Indian Café sind mir nicht verborgen geblieben und nun weiss ich wirklich, wovon sie spricht! Und von dem Indian Café spricht sie wirklich oft – die Küche dort war fabulös lecker!!! Nach vier Tagen in einem vernünftigen Bett schlafen war es dann auch schon wieder soweit, zurück zum Schiff zu fliegen. Dass mein Flug Verspätung hatte, und ich drei Minuten bevor wir abgefahren sind, am Pier ankam, passt nur zu gut in meine Zeitplanung. Bis zur letzten Minute ausgekostet ;-)
Kat – noch mal besten Dank!! Wo treffen wir uns das nächste Mal?

Als ich in Auckland wieder zugestiegen bin, sind wir mit der Diamond auf die letzte Tour in Neu Seeland gegangen. Das war der Wendepunkt, seit dem geht es stets „bergauf“! Neu Seeland liegt nun hinter uns, in ein paar Tagen kommen wir in Sydney an, und von da an gehen wir auf die große Überfahrt nach Bangkok. Entlang der Westküste von Australien, ich kann’s ja kaum erwarten, auch die andere Seite zu sehen! Tja und dann ist es auch schon wieder soweit, dass ich meine Tätigkeit hier Arbeit nenne kann. Ab der Überfahrt habe ich wieder permanent 200+ Leute unter meiner Obhut, und es geht rund! Aber in Bangkok bekomme ich für die kommenden Fahrten wieder Unterstützung, dann lassen sich 400 Leute auch irgendwie unter Kontrolle halten. Und dann lohnt es sich auch schon so langsam, auf den Kalender zu gucken! Ich habe offiziell schon die drei-Monats-Marke geknackt und habe bald Land in Sicht!

Ach ja, die roten Rosen. Die gab es anlässlich des Valentinstags! Der Assistent aus dem Printshop, wo ich wirklich jeden Tag hingehen muss, Pax der Philippino, hat sich scheinbar in mich verguckt und sich wahrscheinlich allen Mut zusammengenommen, um mir die Blumen zu schicken.

Ein paar neue Bilder gibt’s unter dem Link, viel Spaß beim Anschauen!
http://www.facebook.com/album.php?aid=68287&id=621277031&l=48ce2