Donnerstag, 23. Juli 2009

Ostsee-Charme


4.244 Km. Oder 2.292 nautische Meilen. Das entspricht genau der Strecke, die ich im Zehn-Tages-Rhythmus ein Mal rund um die Ostsee zurück lege.

Früher als eigentlich geplant bin ich nun doch wieder „einberufen“ worden, mitten aus meinen ach so heiligen Ferien gerissen. Aber zu so einer Tour, die ja fast ein Homerun ist, kann ich nicht nein sagen! Zumal etliche meiner Freunde von der dirty Diamond Princess hier auf dem Schiff sind und ich keinen dieser Häfen vorher bereist habe.
Nach einer Woche Kroatien-Urlaub bei meiner Freundin Božena bin ich schon wieder unterwegs, volle Fahrt voraus und beschippere jeden Tag, ausgehend von unserem Umschlaghafen Kopenhagen, eine andere Stadt.

Mein „Welcome-Aboard“ war phänomenal, die Begrüßung mit mindestens 20 Leuten, denen ich Peking auf Wiedersehen gesagt habe (als wäre es grad gestern) so ein Kracher! Und man braucht gar nicht lange, um sich sofort wieder an den Schiffsalltag, das Unterwegs-Sein und alles andere, was das so mit sich bringt, zu gewöhnen.

Die Reiseroute startet in Kopenhagen und unser erster Hafen ist Stockholm. Aus meiner bislang großartigsten Kabine meiner gesamten Princess-Karriere habe ich aus meinem Queen-Size-Bett (ein bisschen angeben muss an der Stelle sein, es ist herrlich! und man kann in dieser Kabine getreu dem Motto der Reederei completely escapen…)eine Sicht auf die langen, schmalen und von einsamen Häuschen gesäumten Fahrtkanäle Schwedens, soweit das Auge blickt sieht man nur grüne Wälder, Hügel und natürlich das Wasser.
Am Tag darauf fahren wir in Finnlands Hauptstadt, und dort bekomme ich, Dank meiner Kumpel an Bord, jeden Abend nach dem Sailaway einen frischen Lachs vom Küchenchef präsentiert. Ein Königreich…

Man hat gar nicht viel Zeit zum Durchatmen, denn an den darauffolgenden zwei Tagen liegen wir im Hafen von St. Petersburg, und dort gibt es so viel zu sehen, dass man fast 48 Stunden nur auf Sightseeing ist. Ohne die Party, die ich eigentlich von dem Overnight erwartet hätte. Ganz untypisch für Schiffs-Overnights verbringen wir diese hier fast ganz brav (;-P) an Bord in der Crewbar. Denn mit der potentiellen Gefahr, dass hier irgendein Crewmitglied die Schweinegrippe haben könnte (die sind ja auch gar nicht in Kontakt mit den 3500 Passagieren hier….überhaupt nicht), wird es der Crew erst gar nicht erlaubt, von Bord zu gehen. Somit gehe ich die beiden Tage über auf Exploration und laufe mir die Schuhsohlen platt, und geselle mich des Nachts zu meinen Leuten und wir feiern St.Petersburger „Weiße Nächte“ an Bord! Hat auch was, bis jetzt war die Party immer ordentlich und ich am Tag zwei total erledigt. Ich hatte das Glück, einem ganz besonderen Spektakel beiwohnen zu dürfen, und zwar dem Ballett „Schwanensee“. In der Pause bin ich am Sekt-Stand einem der Reiseleiter, die ich auf der Asien-Route an Bord hatte, in die Arme gelaufen, die Welt ist wirklich ein Dorf und wir beide haben wirklich gestaunt! Als das Ballett um halb 12 Uhr nachts zu Ende war, war es noch immer fast komplett taghell, ein echt schönes Schauspiel. Im Moment geht die Sonne hier nur für 4 Stunden halbwegs unter, ein rötlicher Schimmer bleibt immer, es wird nie ganz dunkel, und das verleiht dem „Venedig des Nordens“ noch einen schöneren Touch.

Nach einem zwei-Tages-Marathon geht es Schnurstraks weiter, und wir besuchen eine meiner Überraschungsstädte dieser Route: Tallinn. Es erinnert mich mit seinen vielen Kopfsteinpflasterstraßen, restaurierten Fachwerkhäusern und mittelalterlichen Türmen ziemlich an Wernigerode, ist nicht so groß aber total hübsch…vielleicht deswegen.
Auch am Tag darauf, in der Hansestadt Danzig, habe ich mich total an der tollen Innenstadt mit seinen Speicherhäuser-Fassaden und unheimlich aufwendig verzierten Giebeln nicht sattsehen können. Stefans Tipp mit der Suppe muss ich da noch erledigen… möchte ich nur ungern versäumen!

Und dann befahren wir jede zweite Abfahrt eine der beiden Städte: entweder Oslo oder Warnemünde. Letztere war direkt auf meiner ersten Route auf dem Programm, und die Gelegenheit haben meine Mutter und Suse nicht ungenutzt gelassen und mich auf der MS Emerald Princess besucht! Abgesehen davon, dass ich das unglaublich toll fand, die beiden an Bord herumzuführen, fand ich Warnemünde einfach umwerfend schön. Und ohne Oslo bis jetzt einmal bereist zu haben würde ich am liebsten gestern als heute wieder nach Warnemünde zurückfahren! Definitiv der Hafen mit dem größten Spaß-Faktor. Und nicht nur, weil das Wetter hier bis jetzt aller Erwartungen zuwider ausgezeichnet und sommerlich ist, toi toi toi, und zwar überall! Und weil es einfach so schöne Erinnerungen aus meiner Kindheit von (ich kann nun schon sagen: vor über 20 Jahren) hervorruft! Bevor ich von Bord gehe laufen wir hier noch mal an, und wollen dann eine Beachparty machen, sehr günstig ist auch, dass wir hier erst um 22 Uhr ablegen…ein Träumchen!

Am letzten Tag der Reise machen wir vormittags einen Halbtagesstopp in Helsingborg, einem schwedischen Städtchen, bevor wir dann abends in Kopenhagen einlaufen. Dies beschert uns nicht nur zwei verschiedene Länder an einem Tag, sondern einen weiteren heißbegehrten aber auch kräftezehrenden Overnight mit mucha Fiesta garantiert! Die Dänen stellen sich nämlich etwas gelassener an als ihre Kollegen in Russland, und in dieser Nacht gehen wir garantiert alle von Bord und machen die Partyszene vor Ort unsicher!

Summa Summarum kann ich mich alles andere als beschweren, meinen Heimaturlaub etwas verkürzt zu haben. Schiff, Leute und Fahrtroute stimmen und sind ein nettes Sommer-Schmankerl!

In diesem Sinne wünsche ich allerseits einen schönen Sommer, schöne Ferien & Urlaub und schicke liebe Grüße aus der Ostsee!