Sonntag, 28. Dezember 2008

Christmas at Sea

Ich habe mich wirklich gefragt, wie das wohl sein wird. Nun kann ich es sagen, es war wirklich mal was anderes!

Die Vorweihnachtszeit war etwas später angekommen, und ich habe ziemlich lange drauf warten müssen, bis ich das Weihnachtsgedudel überall im Radio, über das Lautsprechersystem und aus dem TV habe hören können. Mittlerweile wünsche ich mir, dass es schleunigst aufhört. Weihnachten ist vorbei, und ich höre immer noch „Rudolph the red nose Reindeer“ in hundertfacher Ausführung, den ganzen Tag!

Am 24.12. habe ich mich mit Katja getroffen. Ein Revival unseres ersten Treffens vom April, als ich das erste Mal mit dem Schiff unterwegs war. Es war wirklich schön, wir haben zusammen unser Heilig Abend Mittagessen auf dem Schiff eingenommen, die verschiedenen Bars ausgetestet, und ich habe mich so richtig als Passagier an Bord gefühlt. Danach sind wir noch in diese schöne kleine Seitenstraße gegangen, die Volcan Street, und haben in dieser netten Bar draußen gesessen. Die Bar war voll bis oben hin, die Stimmung war gut, und es hat mich daran erinnert, wie man immer diese hippen Bars im Fernsehen sieht, wo coole Leute stehen, trinken, quatschen, bevor es dann nach Hause zur Familie geht und Weihnachten losgehen kann. Leider war dieses Treffen wie immer viel zu kurz, und um halb sechs hieß es schon wieder „All aboard, Diamond Princess will sail shortly for Tauranga…“

Der Abend war anschließend mit Arbeit und untypischerweise einem kleinen Workout gefüllt. Da alle Leute, mit denen ich zusammen Spaß habe, erst spät abends Feierabend haben, habe auch ich das Weihnachtsessen für den nächsten Abend aufgespart. Für die Zwischenzeit und den Bedarf an gemütlicher Festtagsstimmung hatte ich den TV-Kanal 25, wo ich ein knisterndes, loderndes Kaminfeuer präsentiert bekommen habe. Und falls das noch nicht genug war, so konnte ich notfalls auch noch ins Atrium gehen, um mich von der Schneemaschine (jawohl, ich hatte Schnee!) mit kleinen, zarten Flocken berieseln zu lassen. Später habe ich zum ersten Mal in meinem Leben eine Mitternachtsmesse besucht, die ‚Tatsache, dass es sehr kirchlich war und dann noch auf See haben das Ganze schon speziell aber dafür etwas weihnachtlicher gemacht. Hier wurde der 25.12. eh als DER Weihnachtsfeiertag zelebriert. Mein Heilig Abend ist mit einer Vielzahl von Parties von Deck 2 im Fotolabor über Deck 6, der Bühne des Princess Theater, Deck 8, der Crew Bar bis hin zu Deck 18, dem Skywalkers Nightclub, geendet.

Eine kleine Episode aus meinem alltäglichen Dasein hier an Bord muss ich zwischendurch loswerden. Die hat so sehr mein Herz erfreut, dass ich selbst Tage später noch glücklich über diesen Zustand bin. Ich habe neue Bettwäsche bekommen! Das mag zunächst banal klingen, hat aber hier für mich einen ganz besonderen Stellenwert. Wenn man nämlich bedenkt, dass ich bis Dato in Bettlaken und Wolldecke darüber geschlafen habe, und jede Nacht erstens einen Kampf austragen musste, um die Laken aus der Matratze hervorzuziehen, weil mein Kabinensteward sie immer fein säuberlich unter die Matratze klemmt, furchtbar! Und zweitens ist da dieses Gefühl, dass man peinlich genau darauf achtet, nicht mit dem Gesicht mit der Wolldecke und in Berührung zu kommen, auch wenn einem versichert wird, sie ist desinfiziert und gewaschen worden. Um dann aber leider mindestens jeden zweiten Morgen aufzuwachen und sich schön mollig in die ganze Wolldecke verwickelt und eingekuschelt zu haben… ich bin sicher, jeder hat da schon so seine Erfahrungen hinter sich. Ob in Holzhütten in thailändischen Urwäldern oder in Urlaubshotels am Mittelmeer.

Wie ich schon verlauten lassen habe wurde Christmas hier voll durchgefeiert. Am ersten Weihnachtsfeiertag haben wir im Hafen von Tauranga gelegen. Das Schiff mein ich. Wir selber erst später. Eine Freundin aus dem Kasino hatte an dem Tag ihren Geburtstag und der wurde ab Mittag mit Sekt, Käse, Erdbeeren und Geburtstagskuchen in super netter Runde eingeläutet. Danach sind wir raus in die Stadt, wo am ersten Feiertag, wie auch in Deutschland, alle Läden und -hier aber noch verschärft- alle Restaurants geschlossen sind. Einzig geöffnet war ein Fish’n’Chips Bistro, da haben wir frischen, leckeren Fisch und ein paar Getränke auf die Hand abgestaubt und haben Picknick im Park gemacht. Umringt von Möwen und riesengroßen Bäumen und Luftwurzeln. Unseren Aufenthalt an Land haben wir doch tatsächlich am Strand UND unter Palmen ausklingen lassen. Was nun auch die ein oder andere Vermutung und Frage bestätigt (die ich selber nicht erwartet hätte!), dass ich Weihnachten sprichwörtlich unter Palmen verbracht habe. Zwar ohne baden, aber in landschaftlich total schöner Kulisse, am Fuße des Mount Maunganui.

Nach ein bisschen Ausruhen, von der vielen Feierei und der obligatorischen Übersetzungsarbeit am Abend, die auch an Feiertagen nicht ausgelassen werden kann, hatte ich wirklich Glück, und meine Kasino-Freundin hatte zum Geburtstag einen freien Abend offeriert bekommen, super! Somit stand einem üppigen Weihnachtsschmaus endgültig nichts mehr im Wege. Es gab nicht die traditionelle Gans, was mich etwas schockiert hat. Zumal der Chef in Sachen Food & Beverage (Kristina, der Berni ist gemeint!) aus Österreich kommt, und die Bedürfnisse der Europäer zu Weihnachten wirklich kennen muss! Nein, auch in Sachen Essen war es anders. Und somit gab es auf meinem Teller sogenanntes „Surf and Turf“, ein amerikanischer Ausdruck für die Kombination aus Fisch und Fleisch. Ich konnte mich nicht zwischen Hummer und Kalbsfilet entscheiden, so gab es eben ein bisschen von jedem. Guten Appetit! Es war köstlich! Trotzdem muss ich zugeben, dass ich mit einem kleinen, tränenden Auge an das alljährliche Ragout Fin vom Heilig Abend zu Hause, oder die Gans am ersten Feiertag denken musste. Da geht wirklich nichts drüber!

Auch am 25. ist das Partyprogramm bis aufs Äußerste ausgedehnt worden und nun muss bis Sylvester erst mal ein bisschen Pause her. Das ist aber auch nicht so einfach. Irgendein Geburtstag oder eine verspätete Weihnachtsfeier kommen da immer wieder dazwischen…

Ein Paar neue Fotos gibt es hier:

http://www.facebook.com/album.php?aid=68287&l=48ce2&id=621277031

Dienstag, 23. Dezember 2008

Silent Night – von wegen…

Weihnachten steht nun unvermeidlich direkt vor der Tür und auch die Weihnachtsgirlanden, zig geschmückten Plastiktannenbäume, Glitzerkugeln hier und Weihnachtsmusik da bringen mich nicht so in Festtagsstimmung, wie ich das von den vergangenen Jahren kenne. Das ist nicht dramatisch, aber auch lange nicht so schön, wie zu Hause sein, wenn die Weihnachtszeit losgeht!
Hier ist es dieses Jahr alles anders, und für Abwechslung bin ich ja auch immer gern zu haben!
Es ist immer noch schön warm draußen, und ja, es wird auch noch mehr Sommer; Weihnachten wird offiziell erst am 25. so richtig starten und man ist mit einem Haufen von Leuten zusammen, zieht durch die verschiedenen Lounges des Schiffes und geht einem großen gemeinsamen Ziel nach, das da Partymachen heißt. Wie gesagt, ganz anders…
Der Santa Clause soll auch hierum flitzen, mal sehen, ob ich auch Geschenke kriege?!?
Auf jeden Fall soll es, was ich bisher so von allen um mich herum gehört habe, schon ganz schön sein.
Dieses Jahr erledigt sich dann die Frage von selbst, ob man zu einer der X Weihnachtsparties in diversen Versammlungs- oder Sporthallen aufläuft, und Sylvester ist auch unter Dach und Fach. Im Vordergrund steht natürlich immer die harte Arbeit, schließlich bin ich nicht nur aus purem Vergnügen hier ;-)
Morgen, am 24.12., unserem Heilig Abend, werde ich mich mit meiner lieben Freundin Katja in Auckland treffen. Das ist mein Highlight für das Weihnachtsfest an Land. Und die Aussicht darauf ist gleich ein bisschen familiärer und klingt ein kleines Bisschen mehr nach Heimat!
Ich wünsche allen zusammen ein frohes & zufriedenes Weihnachtsfest!

Montag, 15. Dezember 2008

Trink-Fest im Sattel

Melbourne stand gestern vor der Tür, am dritten Advent. Was tun, wenn man sich die Stadt mit seinen Sehenswürdigkeiten schon mal angeschaut hat und diese Gelegenheit in den nächsten Monaten auch noch ein Paar Mal bekommt?
Ich hatte mich für eine Jeepsafari-Tour ins Land hinein eingetragen. In letzter Minute wurde ich dann aber auf eine Horseback-Riding Tour umgebucht und habe zu aller erst ziemlich mit dem Gedanken gehadert, da könnte ich mir immer etwas besseres vorstellen, als mein Glück auf dem Rücken der Gäule herauszufordern...
Das Wetter war schön, und ich in guter Laune und so ging es los!
Ich hatte das Vergnügen, auf einem Pferd Namens Dodo zu reiten, in diesem Sinne liebste Grüße an Dich, Dodo! :-)
Hab zwar eine wahnwitzige Figur abgegeben und heute tut mir alles weh, aber es war ein Riesenspaß und die Landschaft war einfach ein Traum! Wir sind durch Wein- und Apfelfelder getrottet, über Wiesen und Felder, weit draußen immer das Meer am Horizont, hach, schein war's!
Zwischendurch haben wir an zwei Winzereien angehalten und leckerste Weine verkostet. Damit ich Weihnachten auch etwas unter dem Baum liegen habe, gab es in weiser Voraussicht ein Paar gute Tröpfchen für die Kabine...lllllecker!

Die sind im Übrigen auch sehr nützlich, um sich von dem absolut hammer-krassen Wellengang abzulenken, der hier zwischen Australien und Neu Seeland gerade abgeht. Meine Güte, ich weiß gar nicht, wie ich meine Sachen in der Kajüte festbinden soll, es rutscht alles hin und her, und ganz nebenbei soll man unter diesen Bedingungen auch noch fleißig sein?! Total ätzend, und ich werde mich beim Captain beschweren! I want my money back! So kann isch nedd arbeidde!

Wunderschöne OZ-Ostküste!

Seit dem vierten Dezember sind wir nun auf australischem Boden bzw. kreuzen vor der Küste von Down Under. Es ist herrlich und heiß, Aussi-Land ist wirklich was für mich und ich bin jedesmal traurig, wenn wir schon wieder losfahren. Den einen Tag, in Airlie Beach vor dem Great Barrier Reef habe ich zum ersten Mal fast das letzte Tenderboot zum Schiff verpasst. Das hätte mir zwar eine schöne Zeit in einer total relaxten Gegend beschert, aber auch ne Menge Stress und Ärger! Und Kristina – es war noch tausend Mal knapper, als in Shanghai, als wir unsere Beine unter den Arm geklemmt hatten, und grannt sind wie doof. Nein, dieses Mal hatte ich ganz und gar den letzten Bus zum Tenderboot verpasst und musste dann per Eiltaxi und ganz viel betteln zum Hafen gebracht werden. Aber alles gut!
Das Great Barrier Reef war ein Wunschtraum, der nun in Erfüllung gegangen ist. Ich bin tauchen gegangen, und habe mit so großen Fischen getaucht, wie noch nie zuvor. Gut, ein Hai ist mir immer noch nicht in die Quere gekommen, dafür aber eine zutrauliche Riesen-Maori Brasse von über zwei Metern zum Knuddeln und Knutschen!! Die hat mich schwer an die Touristen-Moräne von meinem Vater erinnert ;-) Nichtsdestoweniger: ein tolles, unvergessliches Erlebnis mit ganz viel Spaß!
Darwin, im hohen Norden und dem sogenannten Northern Territory von Australien, war ein ganz beschaulich kleines Städtchen, und HEISS war es, unglaublich!
In Port Douglas und Airlie Beach sind wir dem Great Barrier Reef am nächsten gewesen und lagen vor den kleinen Häfen auf Reede. Besonders schön in Airlie Beach waren die vorgelagerten Whitsunday Islands, Traumstrände, kristallklares Wasser, einfach beautiful, wie hier ständig gestaunt wird.
Vor ein Paar Tagen lagen wir in Brisbane, und ich hatte das Vergnügen, bei einer Tour mit 70 Schweizer Passagieren mitzufahren. Diese Gruppe ist von Henri geführt, einem Reiseleiter an die Ende siebzig, total taff und sowas von liebenswert! Es hieß immer nur Henri und Henni… Mit dieser Gruppe habe ich so eine schöne Zeit verbracht, die haben sich meiner angenommen und zu ihren Apéros und Abendessen eingeladen. Da habe ich dann also die wirklich schöne Stadt Brisbane kennengelernt, von dem Mount Coo-Thaa aus, stolze dreihundert Meter hoch, vom Fluss aus und von den Southbank Parkanlagen, auf der ´88 die Expo stattgefunden hat. Summa Summarum hat mich die City sehr an Sydney und Melbourne erinnert, aber sowas von schön, auch da kann man es sehr gut aushalten, könnt ich mir vorstellen! So schön sauber, alles ordentlich, teilweise schöne alte Waren-und Lagerhäuser restauriert und nette Bars und Kneipen.
Einen Seetag später, ganze 11.699 Kilometer vom Hafen in Bangkok entfernt und schon wieder verdächtig nahe im Dezember vorangeschritten, sind wir vorgestern in Sydney angekommen. Dies wird einer der Umschlagshäfen für die nächsten Monate werden. Das tolle ist, dass wir aus der Stadt immer erst spät abends lossegeln, und man dann bis zum Dunkelwerden noch an Land bleiben kann. Und das in Sydney. Hätte ich mir auch nicht träumen lassen, dass ich in einem Jahr nun schon das zweite Mal hier unten rumschwirre.
Doof war nur, dass wir mit einem Wetter begrüßt worden sind, das mich ganz stark an November und Deutschland erinnert hat: Regen über strömenden Regen, kühl, grau und einfach nicht schön. Auch für Sydney nicht schön. Ich hatte mich doll auf meinen freien Tag gefreut und eine Tour in die Blue Mountains geplant. Da war ich dann auch, aber mit zehn Metern Sichtweite hätte ich auch in meiner schönen ausblicklosen Kabine bleiben können. Stattdessen bin ich, passend wie ich gekleidet war, schön nassgesogen den ganzen Tag durch die Gegend spaziert, habe bestimmt Traumfotos im Kasten, die ich gleich wieder löschen kann, und dafür eine kleine Nachtschicht aufgebrummt bekommen. Von mir verordnet. Denn die ganze anstehende Arbeit hätte ich auch an dem eh versauten Tag schaffen können, schließlich will die neue Gruppe auch wieder ne Menge Input von mir haben, und daran sitze ich nun jetzt noch….
Bevor wir dann losgeschippert sind, auf dem Weg nach Melbourne, bin ich noch in das wunderschöne Queen Victoria Building gegangen, und habe mir ein klitzekleines Bisschen Weihnachten zu Gemüte geführt: den ca. 30m hohen Tannenbaum (künstlich, was sonst…), mit Swarovski-Steinen geschmückt, bestaunt, und ein Paar frisch und heiß gebrannte Macadamianüsse genascht.
Dann ging es zurück zum Schiff, meine neue Gruppe von sage und schreibe zwölf Passagieren begrüßen (ja, das wird wirklich eine harte Fahrt!) und die nun endlich auch festlich geschmückten Gänge der Diamond Princess entlang schlendern. Ich kann mir nicht helfen, aber wie Weihnachten fühlt sich das ganze hier nicht an… Woran das nur liegen mag…
Bis Mitte Februar kreuzen wir nun zwischen Sydney und Auckland, Neu Seeland, hin und her, immer im zwölf Tages-Rhythmus, das wird fast in Arbeit ausarten, so schnell vergeht das!

In diesem Sinne wünsche ich allen zusammen ein gemütliches drittes Adventswochenende!