Sonntag, 28. Dezember 2008

Christmas at Sea

Ich habe mich wirklich gefragt, wie das wohl sein wird. Nun kann ich es sagen, es war wirklich mal was anderes!

Die Vorweihnachtszeit war etwas später angekommen, und ich habe ziemlich lange drauf warten müssen, bis ich das Weihnachtsgedudel überall im Radio, über das Lautsprechersystem und aus dem TV habe hören können. Mittlerweile wünsche ich mir, dass es schleunigst aufhört. Weihnachten ist vorbei, und ich höre immer noch „Rudolph the red nose Reindeer“ in hundertfacher Ausführung, den ganzen Tag!

Am 24.12. habe ich mich mit Katja getroffen. Ein Revival unseres ersten Treffens vom April, als ich das erste Mal mit dem Schiff unterwegs war. Es war wirklich schön, wir haben zusammen unser Heilig Abend Mittagessen auf dem Schiff eingenommen, die verschiedenen Bars ausgetestet, und ich habe mich so richtig als Passagier an Bord gefühlt. Danach sind wir noch in diese schöne kleine Seitenstraße gegangen, die Volcan Street, und haben in dieser netten Bar draußen gesessen. Die Bar war voll bis oben hin, die Stimmung war gut, und es hat mich daran erinnert, wie man immer diese hippen Bars im Fernsehen sieht, wo coole Leute stehen, trinken, quatschen, bevor es dann nach Hause zur Familie geht und Weihnachten losgehen kann. Leider war dieses Treffen wie immer viel zu kurz, und um halb sechs hieß es schon wieder „All aboard, Diamond Princess will sail shortly for Tauranga…“

Der Abend war anschließend mit Arbeit und untypischerweise einem kleinen Workout gefüllt. Da alle Leute, mit denen ich zusammen Spaß habe, erst spät abends Feierabend haben, habe auch ich das Weihnachtsessen für den nächsten Abend aufgespart. Für die Zwischenzeit und den Bedarf an gemütlicher Festtagsstimmung hatte ich den TV-Kanal 25, wo ich ein knisterndes, loderndes Kaminfeuer präsentiert bekommen habe. Und falls das noch nicht genug war, so konnte ich notfalls auch noch ins Atrium gehen, um mich von der Schneemaschine (jawohl, ich hatte Schnee!) mit kleinen, zarten Flocken berieseln zu lassen. Später habe ich zum ersten Mal in meinem Leben eine Mitternachtsmesse besucht, die ‚Tatsache, dass es sehr kirchlich war und dann noch auf See haben das Ganze schon speziell aber dafür etwas weihnachtlicher gemacht. Hier wurde der 25.12. eh als DER Weihnachtsfeiertag zelebriert. Mein Heilig Abend ist mit einer Vielzahl von Parties von Deck 2 im Fotolabor über Deck 6, der Bühne des Princess Theater, Deck 8, der Crew Bar bis hin zu Deck 18, dem Skywalkers Nightclub, geendet.

Eine kleine Episode aus meinem alltäglichen Dasein hier an Bord muss ich zwischendurch loswerden. Die hat so sehr mein Herz erfreut, dass ich selbst Tage später noch glücklich über diesen Zustand bin. Ich habe neue Bettwäsche bekommen! Das mag zunächst banal klingen, hat aber hier für mich einen ganz besonderen Stellenwert. Wenn man nämlich bedenkt, dass ich bis Dato in Bettlaken und Wolldecke darüber geschlafen habe, und jede Nacht erstens einen Kampf austragen musste, um die Laken aus der Matratze hervorzuziehen, weil mein Kabinensteward sie immer fein säuberlich unter die Matratze klemmt, furchtbar! Und zweitens ist da dieses Gefühl, dass man peinlich genau darauf achtet, nicht mit dem Gesicht mit der Wolldecke und in Berührung zu kommen, auch wenn einem versichert wird, sie ist desinfiziert und gewaschen worden. Um dann aber leider mindestens jeden zweiten Morgen aufzuwachen und sich schön mollig in die ganze Wolldecke verwickelt und eingekuschelt zu haben… ich bin sicher, jeder hat da schon so seine Erfahrungen hinter sich. Ob in Holzhütten in thailändischen Urwäldern oder in Urlaubshotels am Mittelmeer.

Wie ich schon verlauten lassen habe wurde Christmas hier voll durchgefeiert. Am ersten Weihnachtsfeiertag haben wir im Hafen von Tauranga gelegen. Das Schiff mein ich. Wir selber erst später. Eine Freundin aus dem Kasino hatte an dem Tag ihren Geburtstag und der wurde ab Mittag mit Sekt, Käse, Erdbeeren und Geburtstagskuchen in super netter Runde eingeläutet. Danach sind wir raus in die Stadt, wo am ersten Feiertag, wie auch in Deutschland, alle Läden und -hier aber noch verschärft- alle Restaurants geschlossen sind. Einzig geöffnet war ein Fish’n’Chips Bistro, da haben wir frischen, leckeren Fisch und ein paar Getränke auf die Hand abgestaubt und haben Picknick im Park gemacht. Umringt von Möwen und riesengroßen Bäumen und Luftwurzeln. Unseren Aufenthalt an Land haben wir doch tatsächlich am Strand UND unter Palmen ausklingen lassen. Was nun auch die ein oder andere Vermutung und Frage bestätigt (die ich selber nicht erwartet hätte!), dass ich Weihnachten sprichwörtlich unter Palmen verbracht habe. Zwar ohne baden, aber in landschaftlich total schöner Kulisse, am Fuße des Mount Maunganui.

Nach ein bisschen Ausruhen, von der vielen Feierei und der obligatorischen Übersetzungsarbeit am Abend, die auch an Feiertagen nicht ausgelassen werden kann, hatte ich wirklich Glück, und meine Kasino-Freundin hatte zum Geburtstag einen freien Abend offeriert bekommen, super! Somit stand einem üppigen Weihnachtsschmaus endgültig nichts mehr im Wege. Es gab nicht die traditionelle Gans, was mich etwas schockiert hat. Zumal der Chef in Sachen Food & Beverage (Kristina, der Berni ist gemeint!) aus Österreich kommt, und die Bedürfnisse der Europäer zu Weihnachten wirklich kennen muss! Nein, auch in Sachen Essen war es anders. Und somit gab es auf meinem Teller sogenanntes „Surf and Turf“, ein amerikanischer Ausdruck für die Kombination aus Fisch und Fleisch. Ich konnte mich nicht zwischen Hummer und Kalbsfilet entscheiden, so gab es eben ein bisschen von jedem. Guten Appetit! Es war köstlich! Trotzdem muss ich zugeben, dass ich mit einem kleinen, tränenden Auge an das alljährliche Ragout Fin vom Heilig Abend zu Hause, oder die Gans am ersten Feiertag denken musste. Da geht wirklich nichts drüber!

Auch am 25. ist das Partyprogramm bis aufs Äußerste ausgedehnt worden und nun muss bis Sylvester erst mal ein bisschen Pause her. Das ist aber auch nicht so einfach. Irgendein Geburtstag oder eine verspätete Weihnachtsfeier kommen da immer wieder dazwischen…

Ein Paar neue Fotos gibt es hier:

http://www.facebook.com/album.php?aid=68287&l=48ce2&id=621277031

Dienstag, 23. Dezember 2008

Silent Night – von wegen…

Weihnachten steht nun unvermeidlich direkt vor der Tür und auch die Weihnachtsgirlanden, zig geschmückten Plastiktannenbäume, Glitzerkugeln hier und Weihnachtsmusik da bringen mich nicht so in Festtagsstimmung, wie ich das von den vergangenen Jahren kenne. Das ist nicht dramatisch, aber auch lange nicht so schön, wie zu Hause sein, wenn die Weihnachtszeit losgeht!
Hier ist es dieses Jahr alles anders, und für Abwechslung bin ich ja auch immer gern zu haben!
Es ist immer noch schön warm draußen, und ja, es wird auch noch mehr Sommer; Weihnachten wird offiziell erst am 25. so richtig starten und man ist mit einem Haufen von Leuten zusammen, zieht durch die verschiedenen Lounges des Schiffes und geht einem großen gemeinsamen Ziel nach, das da Partymachen heißt. Wie gesagt, ganz anders…
Der Santa Clause soll auch hierum flitzen, mal sehen, ob ich auch Geschenke kriege?!?
Auf jeden Fall soll es, was ich bisher so von allen um mich herum gehört habe, schon ganz schön sein.
Dieses Jahr erledigt sich dann die Frage von selbst, ob man zu einer der X Weihnachtsparties in diversen Versammlungs- oder Sporthallen aufläuft, und Sylvester ist auch unter Dach und Fach. Im Vordergrund steht natürlich immer die harte Arbeit, schließlich bin ich nicht nur aus purem Vergnügen hier ;-)
Morgen, am 24.12., unserem Heilig Abend, werde ich mich mit meiner lieben Freundin Katja in Auckland treffen. Das ist mein Highlight für das Weihnachtsfest an Land. Und die Aussicht darauf ist gleich ein bisschen familiärer und klingt ein kleines Bisschen mehr nach Heimat!
Ich wünsche allen zusammen ein frohes & zufriedenes Weihnachtsfest!

Montag, 15. Dezember 2008

Trink-Fest im Sattel

Melbourne stand gestern vor der Tür, am dritten Advent. Was tun, wenn man sich die Stadt mit seinen Sehenswürdigkeiten schon mal angeschaut hat und diese Gelegenheit in den nächsten Monaten auch noch ein Paar Mal bekommt?
Ich hatte mich für eine Jeepsafari-Tour ins Land hinein eingetragen. In letzter Minute wurde ich dann aber auf eine Horseback-Riding Tour umgebucht und habe zu aller erst ziemlich mit dem Gedanken gehadert, da könnte ich mir immer etwas besseres vorstellen, als mein Glück auf dem Rücken der Gäule herauszufordern...
Das Wetter war schön, und ich in guter Laune und so ging es los!
Ich hatte das Vergnügen, auf einem Pferd Namens Dodo zu reiten, in diesem Sinne liebste Grüße an Dich, Dodo! :-)
Hab zwar eine wahnwitzige Figur abgegeben und heute tut mir alles weh, aber es war ein Riesenspaß und die Landschaft war einfach ein Traum! Wir sind durch Wein- und Apfelfelder getrottet, über Wiesen und Felder, weit draußen immer das Meer am Horizont, hach, schein war's!
Zwischendurch haben wir an zwei Winzereien angehalten und leckerste Weine verkostet. Damit ich Weihnachten auch etwas unter dem Baum liegen habe, gab es in weiser Voraussicht ein Paar gute Tröpfchen für die Kabine...lllllecker!

Die sind im Übrigen auch sehr nützlich, um sich von dem absolut hammer-krassen Wellengang abzulenken, der hier zwischen Australien und Neu Seeland gerade abgeht. Meine Güte, ich weiß gar nicht, wie ich meine Sachen in der Kajüte festbinden soll, es rutscht alles hin und her, und ganz nebenbei soll man unter diesen Bedingungen auch noch fleißig sein?! Total ätzend, und ich werde mich beim Captain beschweren! I want my money back! So kann isch nedd arbeidde!

Wunderschöne OZ-Ostküste!

Seit dem vierten Dezember sind wir nun auf australischem Boden bzw. kreuzen vor der Küste von Down Under. Es ist herrlich und heiß, Aussi-Land ist wirklich was für mich und ich bin jedesmal traurig, wenn wir schon wieder losfahren. Den einen Tag, in Airlie Beach vor dem Great Barrier Reef habe ich zum ersten Mal fast das letzte Tenderboot zum Schiff verpasst. Das hätte mir zwar eine schöne Zeit in einer total relaxten Gegend beschert, aber auch ne Menge Stress und Ärger! Und Kristina – es war noch tausend Mal knapper, als in Shanghai, als wir unsere Beine unter den Arm geklemmt hatten, und grannt sind wie doof. Nein, dieses Mal hatte ich ganz und gar den letzten Bus zum Tenderboot verpasst und musste dann per Eiltaxi und ganz viel betteln zum Hafen gebracht werden. Aber alles gut!
Das Great Barrier Reef war ein Wunschtraum, der nun in Erfüllung gegangen ist. Ich bin tauchen gegangen, und habe mit so großen Fischen getaucht, wie noch nie zuvor. Gut, ein Hai ist mir immer noch nicht in die Quere gekommen, dafür aber eine zutrauliche Riesen-Maori Brasse von über zwei Metern zum Knuddeln und Knutschen!! Die hat mich schwer an die Touristen-Moräne von meinem Vater erinnert ;-) Nichtsdestoweniger: ein tolles, unvergessliches Erlebnis mit ganz viel Spaß!
Darwin, im hohen Norden und dem sogenannten Northern Territory von Australien, war ein ganz beschaulich kleines Städtchen, und HEISS war es, unglaublich!
In Port Douglas und Airlie Beach sind wir dem Great Barrier Reef am nächsten gewesen und lagen vor den kleinen Häfen auf Reede. Besonders schön in Airlie Beach waren die vorgelagerten Whitsunday Islands, Traumstrände, kristallklares Wasser, einfach beautiful, wie hier ständig gestaunt wird.
Vor ein Paar Tagen lagen wir in Brisbane, und ich hatte das Vergnügen, bei einer Tour mit 70 Schweizer Passagieren mitzufahren. Diese Gruppe ist von Henri geführt, einem Reiseleiter an die Ende siebzig, total taff und sowas von liebenswert! Es hieß immer nur Henri und Henni… Mit dieser Gruppe habe ich so eine schöne Zeit verbracht, die haben sich meiner angenommen und zu ihren Apéros und Abendessen eingeladen. Da habe ich dann also die wirklich schöne Stadt Brisbane kennengelernt, von dem Mount Coo-Thaa aus, stolze dreihundert Meter hoch, vom Fluss aus und von den Southbank Parkanlagen, auf der ´88 die Expo stattgefunden hat. Summa Summarum hat mich die City sehr an Sydney und Melbourne erinnert, aber sowas von schön, auch da kann man es sehr gut aushalten, könnt ich mir vorstellen! So schön sauber, alles ordentlich, teilweise schöne alte Waren-und Lagerhäuser restauriert und nette Bars und Kneipen.
Einen Seetag später, ganze 11.699 Kilometer vom Hafen in Bangkok entfernt und schon wieder verdächtig nahe im Dezember vorangeschritten, sind wir vorgestern in Sydney angekommen. Dies wird einer der Umschlagshäfen für die nächsten Monate werden. Das tolle ist, dass wir aus der Stadt immer erst spät abends lossegeln, und man dann bis zum Dunkelwerden noch an Land bleiben kann. Und das in Sydney. Hätte ich mir auch nicht träumen lassen, dass ich in einem Jahr nun schon das zweite Mal hier unten rumschwirre.
Doof war nur, dass wir mit einem Wetter begrüßt worden sind, das mich ganz stark an November und Deutschland erinnert hat: Regen über strömenden Regen, kühl, grau und einfach nicht schön. Auch für Sydney nicht schön. Ich hatte mich doll auf meinen freien Tag gefreut und eine Tour in die Blue Mountains geplant. Da war ich dann auch, aber mit zehn Metern Sichtweite hätte ich auch in meiner schönen ausblicklosen Kabine bleiben können. Stattdessen bin ich, passend wie ich gekleidet war, schön nassgesogen den ganzen Tag durch die Gegend spaziert, habe bestimmt Traumfotos im Kasten, die ich gleich wieder löschen kann, und dafür eine kleine Nachtschicht aufgebrummt bekommen. Von mir verordnet. Denn die ganze anstehende Arbeit hätte ich auch an dem eh versauten Tag schaffen können, schließlich will die neue Gruppe auch wieder ne Menge Input von mir haben, und daran sitze ich nun jetzt noch….
Bevor wir dann losgeschippert sind, auf dem Weg nach Melbourne, bin ich noch in das wunderschöne Queen Victoria Building gegangen, und habe mir ein klitzekleines Bisschen Weihnachten zu Gemüte geführt: den ca. 30m hohen Tannenbaum (künstlich, was sonst…), mit Swarovski-Steinen geschmückt, bestaunt, und ein Paar frisch und heiß gebrannte Macadamianüsse genascht.
Dann ging es zurück zum Schiff, meine neue Gruppe von sage und schreibe zwölf Passagieren begrüßen (ja, das wird wirklich eine harte Fahrt!) und die nun endlich auch festlich geschmückten Gänge der Diamond Princess entlang schlendern. Ich kann mir nicht helfen, aber wie Weihnachten fühlt sich das ganze hier nicht an… Woran das nur liegen mag…
Bis Mitte Februar kreuzen wir nun zwischen Sydney und Auckland, Neu Seeland, hin und her, immer im zwölf Tages-Rhythmus, das wird fast in Arbeit ausarten, so schnell vergeht das!

In diesem Sinne wünsche ich allen zusammen ein gemütliches drittes Adventswochenende!

Sonntag, 30. November 2008

Erster Advent, Äquatortaufe und 32°C Sonne satt!

Und so schnell vergehen knapp zwei Monate. Ich könnt heulen bei dem Gedanken. Heute liegen wir im Hafen von Laem Chabang, unserem Hafen für Bangkok. Seit dem Einschiffen in Peking Anfang Oktober sind drei sechzehn-Tages-Touren zwischen Peking und Bangkok ins Land gegangen, oder in See gestochen, und nun ist es l-e-i-d-e-r schon Zeit, dass ich meine ach so harte Arbeit auf dem Kahn alleine fortführe und Kristina von Bord geht. Trotz intensiver Argumentation, hunderten Pro’s, dass wir das Ultra-Team an Bord sind und den Deutschen Gästen so die Zeit versüßen, haben wir es nicht erreicht, Kristina zu verlängern. Für einen kurzen Moment sah es so aus, als sich unser Chefchen dazu durchringen würde. Läppische tausend Euro an Umbuchungsgebühren für einen Flug ab Sydney wiegen dann aber doch schwerer, als zufriedene Gäste. Nunja, that’s life und es geht auch so weiter. Nämlich nach Australien, es könnte schlimmer kommen, nicht wahr!?
Asien war vor allem voller interessanter Häfen. Voller Spaß und Freude am Kreuzen, Kultur, voll Freundschaft. Voll von Gegensätzen.
In Xingang hat es begonnen, dass wir auf Tuchfühlung mit den chinesischen Behörden gegangen sind, die uns nich nur einmal bewiesen haben, wer da der Lokalmatador ist und die Pantoffeln an hat. Wenn sie wollten, haben sie uns einfach im Hafen liegen lassen, ohne dass sich das Schiff trotz Fahrplan auch nur einen Zentimeter weit aufs Meer bewegt. In dieser Stadt der Größe von Klein New York, deren Namen kein Mensch in Europa kennt, waren wir versetzt in eine andere Zeit. Dort ticken die Uhren noch anders, in dem kleinsten Schuhgeschäft gibt es mindestens fünf Angestellte, die die Schuhe hin und herrücken, ohne dass sie gekauft werden, sie wälzen sich auf dem Tresen und die Langeweile steht ihnen förmlich auf die Stirn geschrieben.
689 Seemeilen südwärts und einen Hafen später legen wir in Shanghai an. Genauer gesagt in einem Containerhafen eine knappe Busstunde von der Stadt entfernt. Dieses Schiff ist so groß, dass es in den meisten asiatischen Häfen so gut wie immer in irgendwelchen Containerhäfen andockt und die Passagiere sich auf den Schlips getreten fühlen und behaupten, sie fühlen sich wie Frachtgut behandelt. Eine der Kleinigkeiten, die tagtäglich anfallen, wenn Passagiere Langeweile haben, und zu mir an den Tisch kommen, um Dampf abzulassen. Peanuts.
In Shanghai haben wir jedes Mal die Stadt unsicher gemacht und viele viele Winkel erkundet. Dies war eine der schönsten Städte bisher. Und die Skyline mit dem Oriental Pearl Tower und dem Flusslauf ist einfach wunderschön.
Etwas weiter südöstlich hat Okinawa auf uns gewartet. Ich habe kürzlich einen Bericht gelesen, dass es sich locker mit Mallorca als Badeparadies messen kann, sogar noch besser sein soll. Strände haben wir allerdings nicht entdeckt, wahrscheinlich, weil wir mitten im Nirgendwo angedockt sind und die Wege einfach zu weit waren. Allerdings gab es in Okinawa eher wenig anzusehen und was mir von da besonders in Erinnerung geblieben ist, sind die X Schulmädchen in ihren Uniformen. Aber hallo, die würden hier schon als halb pornographisch weggehen..! Und die Läden, voll gestopft bis unter die Decke mit bunt in bunten Süßigkeiten, fünf Mal in Plastikfolie eingewickelt. Das sah alles seehr ver- lockend aus, wie für die europäische Zunge gemacht ;-P
Danach stand in südlicher Richtung Taiwan auf dem Plan, der Hafen, in dem wir angedockt sind heißt Keelung, und ist ein kleines, geschäftiges Städtchen. Einmal hatte ich eine Fußmassage, die war so krass, dass ich zwischendurch laut aufgejault habe, so hart wurde ich da dran genommen! Noch zwei Tage danach hab ich meine Beine kaum gespürt. Taipeh, das eigentliche Highlight, liegt ca. 45 Minuten mit dem Zug oder Bus vom Hafen entfernt. Wir sind zwei Mal in die Stadt gefahren und schon die Fahrt über Land war ein Genuss für’s Auge. Die Insel ist so schön grün und hügelig und so sah es auch aus sagenhaften 509m Höhe vom Taipeh 101 Tower aus!
Nach Keelung und Taipeh mussten wir nur noch 490 Seemeilen warten, und unsere Lieblings-Metropole Hong Kong stand vor der Tür! Oder besser wir standen vor den Toren! Zwei Tage und eine Nacht in Hong Kong waren drei Mal der absolute Knüller während dieser sechzehn Tages-Reise! Die Stadt auf der Insel ist so gespickt mit tollen Sachen, von attraktiver Landschaft, tollem Citylife, ganz zu schweigen vom Nachtleben, Strände, Berge, grün, Shopping wie verrückt, einfach ein Eldorado. Das zudem noch so ganz un-chinesisch wirkt, deshalb könnte man es dort wirklich sehr gut aushalten, man sieht auch viele europäische Gesichter, alles wirkt so international. Nicht wie in Shanghai, wo man sich in einem Meer aus kleinen, wuselnden Chinesen befunden hat, weit und breit das einzige weiße Gesicht aus dem Westen und sogar noch eine willkommene Fotoattraktion darstellt! Nein nein, Hong Kong ist und bleibt das Mega-Event auf den asiatischen Abfahrten!
Danach stand drei Mal baden in Nha Trang auf dem Programm. Ein bisschen die Seele baumeln lassen, mein erstes Jetski-Erlebnis, Massagen am Strand. Saigon, der zweite vietnamesische Hafen, war immer mit etwas Aufwand verbunden, um dort hinzukommen. Zwei Stunden Busfahrt hin und zurück, aber es hat sich gelohnt. Ich war an Orten, die ich vor drei Jahren schon Mal besucht hatte, und das mache ich besonders gern!
Von Singapur bin ich von Mal zu Mal begeisterter zurückgekommen. Schon am Anfang war ich beeindruckt, wie sauber, ordentlich, restauriert und in Schuss die Stadt ist. Total schön anzusehen. Und das schönste Chinatown und Little India-Viertel, das ich bisher gesehen habe!
Heute ist Tag sieben auf der ersten Reise ohne Kristina. (Ich hoffe übrigens, dass du gut gelandet bist?!) Ich überlebe so lala, schaffe es zumindest, mein morgendliches Cornflakes-Tütchen gekonnt aufzureißen und muss schmunzeln, wie toll ich das alleine hinkriege!
Ich habe nun 220 Leute alleine an der Backe, heute gerade mal wieder eine Begegnung der besonderen Spezies gehabt und mir insgeheim einen ins Fäustchen gelacht, wie behämmert die Leute doch hier sein können. Ich bin überrascht, wie viel ich zu tun habe, ehrlich! Nur um das in harter Währung auszudrücken: Ich war in den letzten Tagen kein EINZIGES mal auf dem Sonnendeck (die Sonne hat auch geschienen, nicht so, wie die letzten Male, dass bei Freizeitoption dann plötzlich Regen aufkam…)und habe jeden Tag durchgeackert. So etwas kam bisher noch nie vor!
Seit zwei Tagen kann ich aber ein bisschen aufatmen. Ich habe meine erste Kabinenparty auf Deck 4 hinter mir, hänge in den Seilen und freue mich auf Kota Kinabalu, Malaysia. Dort legen wir morgen an, bevor wir dann mit satten vier Seetagen in Folge dem Lagerkoller frönen können :-).
Allen zusammen ein schönes, erstes Advents-Wochenende! Hier ist daran nicht zu denken, vor ein Paarm Tagen gerade erst Mal Thanksgiving gefeiert.

Neue Fotos gibt's unter diesem Link, und die Route hab ich auch ein bisschen upgedatet, viel Spaß!

zum Start der Fotostrecke Bild anklicken







Montag, 10. November 2008

Wetterbericht

Das Wetter ist ja auch immer so eine interessante Sache. Hier ein kleiner Wetterbericht:
In Peking die Nase aus dem Schiff herausgestreckt: bitterbitterkalt, brrr, Temperaturen um die 5°C, dafür aber sonnig und klar. Die Sonne hat so tief gestanden, dass man direkt Herbst darüber hätte schreiben können.
Unsere Hoffnung, dass es, je südlicher wir kommen, auch immer wärmer wird, ist noch nicht eingetroffen (NOCH nicht..).
Heute Shanghai: trüb, wie immer eine miserable Sicht, verdammter Smog, und die 19°, die laut Wettervorhersage heute da sein sollten, sind auch mindestens um 7° verfehlt. Es ist kalt und oll...

Trotzdem hoffen wir stark, dass wir, sobald wir aus China raus sind (endlich ;-), dass es dann auch wieder besser wird.
Letzes Mal in Okinawa, vor ca. ich weiß nicht, wie vielen Tagen, es können fünf aber auch fünfzehn gewesen sein, da hatten wir kuschelige Mittzwanzig Grad.
Das sind doch Temperaturen, wo es sich lohnt, an Bord zu sein. Da kann uns dann auch der "Noro" mal gern haben!

Xingang statt großer Mauer...

Seit einer knappen Woche fahren wir auf einem verseuchten Schiff durch chinesische Gewässer. Klingt gruselig…ist es auch! Wenn der Norovirus auf Reisen geht, dann heißt es Fiesta-Time und besonders auf so einem Mikrokosmos von Kreuzfahrtpott macht das richtig Spaß! Zum Ende der letzten Tour hieß es auf Einmal „Red Level“ und ab da ging es los, dass hunderte Passagiere unter Quarantäne auf ihren Kabinen eingesperrt wurden, man sich nicht mehr selber bedienen durfte und einem alles und jedes kleinste Stückchen Butter von irgendeinem Kellner auf den Teller gelegt wurde. Red Level schließt auch ein, dass Crewmitglieder strikt von den Passagieren getrennt zu halten sind, es sei denn, sie arbeiten. Das hat sich dann auch etwas blöd auf unsere Situation ausgewirkt: zum einen können wir (glücklicherweise) fast überall auf dem Schiff rumstrolchen, wo wir wollen. Damit sind wir aber auf der anderen Seite von etlichen Supervisors fälschlicherweise als Crew entlarvt wurden, als wir uns am schönen Buffet selbst gütig tun wollten. Autsch! Und dann hieß es ab in die Crew Kantine… ein Fest! Drei Tage lang haben wir uns dann so richtig an der Nase herum geführt gefühlt, weil wir ja immerhin den Passagierstatus haben, uns nicht an den feinen Sachen laben können, und zudem das Essen in der Crew Kantine wirklich ein Graus ist! ;-)
Das ist lange nicht das schlimmste…denn dieser Norovirus hat uns verdammt noch mal die Pläne des Jahrhunderts durchkreuzt! Am Bettenwechseltag in Peking hatten wir uns für eine Tour angemeldet, die zur Großen Mauer von China führen sollte. Wie aufregend…!!!
Doch mit den Chinesen ist lange nicht so gut Kirschen essen, wie man sich das wünschen würde: bevor wir das ganze Schiff mit den zum größten Teil wieder genesenen Gästen leeren konnten, sind eine Abordnung von mindestens zwanzig Chinesischen Beamten an Bord gekommen, um das Schiff freizugeben. Die sind da sehr genau… Als sie aber festgestellt haben, dass (-trotz tagelanger Desinfektion des Kahns von Kopf bis Fuß-) immer noch ein Paar Fälle von Kranken an Bord waren, haben Sie uns einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Die Schiffsfreigabe hab mal locker 30 Stunden gedauert, bis alles ok war und die Passagiere von Bord durften, und dies war dann leider viel zu spät für uns und unsere Tour, denn pro Strecke hätten wir um die drei Stunden gebraucht, bis wir an der großen Mauer angekommen wären.
So ist das mit den Chinesen… :-( Nun muss ich bis nächstes Jahr März ausharren, und mein Glück noch mal herausfordern! Daumen gedrückt, dass es hoffentlich dann klappt!
Anstelle dessen sind wir an dem Tag dann, mit unseren drei Stunden Freizeit bestückt, nach Xingang downtown gefahren. Da fragt sich vielleicht der ein oder andere…hm, Xingang, noch nie gehört!? Nee, ich vorher auch nicht. Das ist die Hafenstadt und quasi unser Tor nach Peking auf dieser Reise. Eine Stadt von ca. sieben Millionen Einwohnern, Hochhäuser so weit das Auge reicht, nur Chinesen weit und breit und wahrscheinlich ein gutes Spiegelbild der Volksrepublik China mit ihrem sozialistischen Dasein. Wirklich erstaunlich ist, dass es wahrscheinlich X von diesen riesigen Städten in China gibt, die aber bei uns niemand kennt! Ein riesen Punkt auf der Landkarte, der bei uns beträchtlich ins Auge fallen würde, und hier zu Lande nur einer von tausenden ist!
Heute früh haben wir in Shanghai angedockt, Klappe die Dritte. So schnell geht das. Wir haben unsere dritte Riesengruppe an Bord, um die vierhundert Germanen, und es läuft sehr gut. Heute soll das „Red Level“ herunter gestuft werden, und wir erleben hoffentlich wieder einen angenehmen „Alltag“, wenn man das normal nennen kann ;-)

In Shanghai treffen wir uns heute wieder mit einem Kumpel aus Deutschland und ich hoffe sehr, dass Kristina und ich den letzten Bus, der uns zum Schiff bringt, etwas früher kriegen, als letztes Mal. Das sah ungefähr so aus: zwanzig Minuten wie die angestochenen durch Shanghai rennen, um auf die allerletzte Minute den allerletzten Bus zu bekommen. Bus als rettenden Anker, weil Taxis nämlich nicht bis zum Schiff vordringen dürfen, da wir in so einem Containerhafen liegen…
Übrigens: die Pekingente muss sich auch noch bis nächstes Frühjahr gedulden, bis sie mit mir ein Tête-à-tête feiern kann!

Donnerstag, 23. Oktober 2008

Volle Fahrt voraus...

… genau so ist das Motto für die kommenden Monate!
Nach anfänglichen Internetschwierigkeiten, die auf so einem Kreuzfahrtdampfer mitten auf hoher See auftreten können, ist uns der Satellit wohlgesonnen und die Berichterstattung kann beginnen!
Die MS Diamond Princess wird nun also fürs Weitere das neue home sweet home sein, um genau zu sein die Kajüte 5249 steuerbord vorne. Ob meine Post bis hierhin ankommt, bezweifele ich allerdings etwas.
Ich habe mich also wieder auf die Socken gemacht, um meinem Berufsleben mal etwas Wind einzuhauchen. Es muss ja voran gehen, nicht wahr? Von nun an werde ich wieder der Traumschiff-Beatrice den Rang ablaufen und den Deutschen Gästen an Bord das Paradies auf Kreuzfahrt-Erden bescheren J Für den Anfang bin ich auch nicht allein unterwegs, ich habe sogar Verstärkung nötig, weil sich vier hundert Deutsche nicht so einfach bändigen lassen…und somit hab ich mit Kristina das Spaßprogramm zusammen!
Los ging es in Peking. Eigentlich habe ich es mir so vorgestellt, dass ich direkt in den ewig andauernden Sommerurlaub fahre, aber begrüßt wurden wir mit unter zehn Grad, Grau-in-Grau und Regen. Trotzdem haben wir uns in der Verbotenen Stadt schon etwas umgeschaut gehabt und den Platz des Friedens, den ich mir nach der Oly-TV-Übertragung schon etwas anders vorgestellt hatte, erkundet. Peking-Ente gab es nicht. Was für eine Schande! Aber wir kommen ja auch wieder!
Die ersten Tage an Bord waren mehr von Stress und einem Haufen Arbeit geprägt, als uns beiden lieb war L Großes Ziel: dass sich das schleunigst auf die Dauer ändert. Dafür arbeiten wir hart! Aber neben dem ganzen Zirkus habe ich auch schon wieder total schöne Erlebnisse, die mir das Herzl höher springen lassen & diesen Arbeitsplatz wirklich zu einem meiner liebsten werden lassen. Schon in den ersten Tagen habe ich einige Leute von den letzten Fahrten wieder getroffen, und den einen und anderen über hundert Ecken wiedererkannt! Das ist es doch, was Spass macht!!!
Für die nächsten Wochen bis Mitte November kreuzen wir vor der Küste Asiens, immer zwischen Peking und Bangkok hin und her. Die erste Reise geht sogar schon dem Ende entgegen und die Metropolen aus dem fernen Osten haben Runde Nummer Eins mit Kristina & mir hinter sich. Overnight in Hong Kong war da definitiv das herausstechende Ereignis!! Und zum Glück ist es ab Peking küstenabwärts auch deutlich angenehmer draußen auszuhalten. Sonne satt und herrlich warm!
Gestern sollte eigentlich so etwas wie ein Urlaubstag für Kristina und mich werden, wir hatten einen Tagesausflug nach Bangkok geplant! Die Gäste brav vom Schiff begleitet und verabschiedet, sind wir mit einer unserer Gruppen in Richtung Downtown gefahren. Leider hatten der dermaßen Pech und sind in einem kaputten Bus gelandet, der uns schon mal über drei Stunden Fahrt gekostet hat! Wir hatten genau eine Viertelstunde Zeit auf der Khao San, haben uns ein leckeres Pad Thai kochen lassen und dies dann im Taxi verspeist, das uns dann zwei Stunden wieder zurück zum Schiff gebracht hat.
Zehn Minuten Bangkok…haben sich wirklich gelohnt.. ;-)
Heute ist der erste Tag mit neuer Gruppe, es sind „nur“ um die zweihundert Deutsche für uns da, das wird quasi ein Spaziergang!
Der Urlaub kann also losgehen!

Die ersten Fotos gibt's hier: (bitte anklicken)

Mittwoch, 1. Oktober 2008










Leinen los!

Henniways... wäre ohne Thomas' sagenhaften Einfallsreichtum nie geboren & ich würde vielleicht heut auch noch Rundmail um Rundmail schicken.
Damit ist nun Schluss. News, Kurioses und hoffentlich einen Haufen netter Sachen für's Auge gibt es ab sofort hier!

Thomas - Merci!

E

Ab Samstag heißt es wieder Koffer unter die Arme geklemmt und Fernweh ade. Große, weite Welt ich komme. *freu*
Start: Peking.
Ziel: Spaß haben.
Credo: Ab sofort bin hier ich der Boss. ;-)