Ich habe mich wirklich gefragt, wie das wohl sein wird. Nun kann ich es sagen, es war wirklich mal was anderes!
Die Vorweihnachtszeit war etwas später angekommen, und ich habe ziemlich lange drauf warten müssen, bis ich das Weihnachtsgedudel überall im Radio, über das Lautsprechersystem und aus dem TV habe hören können. Mittlerweile wünsche ich mir, dass es schleunigst aufhört. Weihnachten ist vorbei, und ich höre immer noch „Rudolph the red nose Reindeer“ in hundertfacher Ausführung, den ganzen Tag!
Am 24.12. habe ich mich mit Katja getroffen. Ein Revival unseres ersten Treffens vom April, als ich das erste Mal mit dem Schiff unterwegs war. Es war wirklich schön, wir haben zusammen unser Heilig Abend Mittagessen auf dem Schiff eingenommen, die verschiedenen Bars ausgetestet, und ich habe mich so richtig als Passagier an Bord gefühlt. Danach sind wir noch in diese schöne kleine Seitenstraße gegangen, die Volcan Street, und haben in dieser netten Bar draußen gesessen. Die Bar war voll bis oben hin, die Stimmung war gut, und es hat mich daran erinnert, wie man immer diese hippen Bars im Fernsehen sieht, wo coole Leute stehen, trinken, quatschen, bevor es dann nach Hause zur Familie geht und Weihnachten losgehen kann. Leider war dieses Treffen wie immer viel zu kurz, und um halb sechs hieß es schon wieder „All aboard, Diamond Princess will sail shortly for Tauranga…“
Der Abend war anschließend mit Arbeit und untypischerweise einem kleinen Workout gefüllt. Da alle Leute, mit denen ich zusammen Spaß habe, erst spät abends Feierabend haben, habe auch ich das Weihnachtsessen für den nächsten Abend aufgespart. Für die Zwischenzeit und den Bedarf an gemütlicher Festtagsstimmung hatte ich den TV-Kanal 25, wo ich ein knisterndes, loderndes Kaminfeuer präsentiert bekommen habe. Und falls das noch nicht genug war, so konnte ich notfalls auch noch ins Atrium gehen, um mich von der Schneemaschine (jawohl, ich hatte Schnee!) mit kleinen, zarten Flocken berieseln zu lassen. Später habe ich zum ersten Mal in meinem Leben eine Mitternachtsmesse besucht, die ‚Tatsache, dass es sehr kirchlich war und dann noch auf See haben das Ganze schon speziell aber dafür etwas weihnachtlicher gemacht. Hier wurde der 25.12. eh als DER Weihnachtsfeiertag zelebriert. Mein Heilig Abend ist mit einer Vielzahl von Parties von Deck 2 im Fotolabor über Deck 6, der Bühne des Princess Theater, Deck 8, der Crew Bar bis hin zu Deck 18, dem Skywalkers Nightclub, geendet.
Eine kleine Episode aus meinem alltäglichen Dasein hier an Bord muss ich zwischendurch loswerden. Die hat so sehr mein Herz erfreut, dass ich selbst Tage später noch glücklich über diesen Zustand bin. Ich habe neue Bettwäsche bekommen! Das mag zunächst banal klingen, hat aber hier für mich einen ganz besonderen Stellenwert. Wenn man nämlich bedenkt, dass ich bis Dato in Bettlaken und Wolldecke darüber geschlafen habe, und jede Nacht erstens einen Kampf austragen musste, um die Laken aus der Matratze hervorzuziehen, weil mein Kabinensteward sie immer fein säuberlich unter die Matratze klemmt, furchtbar! Und zweitens ist da dieses Gefühl, dass man peinlich genau darauf achtet, nicht mit dem Gesicht mit der Wolldecke und in Berührung zu kommen, auch wenn einem versichert wird, sie ist desinfiziert und gewaschen worden. Um dann aber leider mindestens jeden zweiten Morgen aufzuwachen und sich schön mollig in die ganze Wolldecke verwickelt und eingekuschelt zu haben… ich bin sicher, jeder hat da schon so seine Erfahrungen hinter sich. Ob in Holzhütten in thailändischen Urwäldern oder in Urlaubshotels am Mittelmeer.
Wie ich schon verlauten lassen habe wurde Christmas hier voll durchgefeiert. Am ersten Weihnachtsfeiertag haben wir im Hafen von Tauranga gelegen. Das Schiff mein ich. Wir selber erst später. Eine Freundin aus dem Kasino hatte an dem Tag ihren Geburtstag und der wurde ab Mittag mit Sekt, Käse, Erdbeeren und Geburtstagskuchen in super netter Runde eingeläutet. Danach sind wir raus in die Stadt, wo am ersten Feiertag, wie auch in Deutschland, alle Läden und -hier aber noch verschärft- alle Restaurants geschlossen sind. Einzig geöffnet war ein Fish’n’Chips Bistro, da haben wir frischen, leckeren Fisch und ein paar Getränke auf die Hand abgestaubt und haben Picknick im Park gemacht. Umringt von Möwen und riesengroßen Bäumen und Luftwurzeln. Unseren Aufenthalt an Land haben wir doch tatsächlich am Strand UND unter Palmen ausklingen lassen. Was nun auch die ein oder andere Vermutung und Frage bestätigt (die ich selber nicht erwartet hätte!), dass ich Weihnachten sprichwörtlich unter Palmen verbracht habe. Zwar ohne baden, aber in landschaftlich total schöner Kulisse, am Fuße des Mount Maunganui.
Nach ein bisschen Ausruhen, von der vielen Feierei und der obligatorischen Übersetzungsarbeit am Abend, die auch an Feiertagen nicht ausgelassen werden kann, hatte ich wirklich Glück, und meine Kasino-Freundin hatte zum Geburtstag einen freien Abend offeriert bekommen, super! Somit stand einem üppigen Weihnachtsschmaus endgültig nichts mehr im Wege. Es gab nicht die traditionelle Gans, was mich etwas schockiert hat. Zumal der Chef in Sachen Food & Beverage (Kristina, der Berni ist gemeint!) aus Österreich kommt, und die Bedürfnisse der Europäer zu Weihnachten wirklich kennen muss! Nein, auch in Sachen Essen war es anders. Und somit gab es auf meinem Teller sogenanntes „Surf and Turf“, ein amerikanischer Ausdruck für die Kombination aus Fisch und Fleisch. Ich konnte mich nicht zwischen Hummer und Kalbsfilet entscheiden, so gab es eben ein bisschen von jedem. Guten Appetit! Es war köstlich! Trotzdem muss ich zugeben, dass ich mit einem kleinen, tränenden Auge an das alljährliche Ragout Fin vom Heilig Abend zu Hause, oder die Gans am ersten Feiertag denken musste. Da geht wirklich nichts drüber!
Auch am 25. ist das Partyprogramm bis aufs Äußerste ausgedehnt worden und nun muss bis Sylvester erst mal ein bisschen Pause her. Das ist aber auch nicht so einfach. Irgendein Geburtstag oder eine verspätete Weihnachtsfeier kommen da immer wieder dazwischen…
Ein Paar neue Fotos gibt es hier:
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