Montag, 10. November 2008

Xingang statt großer Mauer...

Seit einer knappen Woche fahren wir auf einem verseuchten Schiff durch chinesische Gewässer. Klingt gruselig…ist es auch! Wenn der Norovirus auf Reisen geht, dann heißt es Fiesta-Time und besonders auf so einem Mikrokosmos von Kreuzfahrtpott macht das richtig Spaß! Zum Ende der letzten Tour hieß es auf Einmal „Red Level“ und ab da ging es los, dass hunderte Passagiere unter Quarantäne auf ihren Kabinen eingesperrt wurden, man sich nicht mehr selber bedienen durfte und einem alles und jedes kleinste Stückchen Butter von irgendeinem Kellner auf den Teller gelegt wurde. Red Level schließt auch ein, dass Crewmitglieder strikt von den Passagieren getrennt zu halten sind, es sei denn, sie arbeiten. Das hat sich dann auch etwas blöd auf unsere Situation ausgewirkt: zum einen können wir (glücklicherweise) fast überall auf dem Schiff rumstrolchen, wo wir wollen. Damit sind wir aber auf der anderen Seite von etlichen Supervisors fälschlicherweise als Crew entlarvt wurden, als wir uns am schönen Buffet selbst gütig tun wollten. Autsch! Und dann hieß es ab in die Crew Kantine… ein Fest! Drei Tage lang haben wir uns dann so richtig an der Nase herum geführt gefühlt, weil wir ja immerhin den Passagierstatus haben, uns nicht an den feinen Sachen laben können, und zudem das Essen in der Crew Kantine wirklich ein Graus ist! ;-)
Das ist lange nicht das schlimmste…denn dieser Norovirus hat uns verdammt noch mal die Pläne des Jahrhunderts durchkreuzt! Am Bettenwechseltag in Peking hatten wir uns für eine Tour angemeldet, die zur Großen Mauer von China führen sollte. Wie aufregend…!!!
Doch mit den Chinesen ist lange nicht so gut Kirschen essen, wie man sich das wünschen würde: bevor wir das ganze Schiff mit den zum größten Teil wieder genesenen Gästen leeren konnten, sind eine Abordnung von mindestens zwanzig Chinesischen Beamten an Bord gekommen, um das Schiff freizugeben. Die sind da sehr genau… Als sie aber festgestellt haben, dass (-trotz tagelanger Desinfektion des Kahns von Kopf bis Fuß-) immer noch ein Paar Fälle von Kranken an Bord waren, haben Sie uns einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Die Schiffsfreigabe hab mal locker 30 Stunden gedauert, bis alles ok war und die Passagiere von Bord durften, und dies war dann leider viel zu spät für uns und unsere Tour, denn pro Strecke hätten wir um die drei Stunden gebraucht, bis wir an der großen Mauer angekommen wären.
So ist das mit den Chinesen… :-( Nun muss ich bis nächstes Jahr März ausharren, und mein Glück noch mal herausfordern! Daumen gedrückt, dass es hoffentlich dann klappt!
Anstelle dessen sind wir an dem Tag dann, mit unseren drei Stunden Freizeit bestückt, nach Xingang downtown gefahren. Da fragt sich vielleicht der ein oder andere…hm, Xingang, noch nie gehört!? Nee, ich vorher auch nicht. Das ist die Hafenstadt und quasi unser Tor nach Peking auf dieser Reise. Eine Stadt von ca. sieben Millionen Einwohnern, Hochhäuser so weit das Auge reicht, nur Chinesen weit und breit und wahrscheinlich ein gutes Spiegelbild der Volksrepublik China mit ihrem sozialistischen Dasein. Wirklich erstaunlich ist, dass es wahrscheinlich X von diesen riesigen Städten in China gibt, die aber bei uns niemand kennt! Ein riesen Punkt auf der Landkarte, der bei uns beträchtlich ins Auge fallen würde, und hier zu Lande nur einer von tausenden ist!
Heute früh haben wir in Shanghai angedockt, Klappe die Dritte. So schnell geht das. Wir haben unsere dritte Riesengruppe an Bord, um die vierhundert Germanen, und es läuft sehr gut. Heute soll das „Red Level“ herunter gestuft werden, und wir erleben hoffentlich wieder einen angenehmen „Alltag“, wenn man das normal nennen kann ;-)

In Shanghai treffen wir uns heute wieder mit einem Kumpel aus Deutschland und ich hoffe sehr, dass Kristina und ich den letzten Bus, der uns zum Schiff bringt, etwas früher kriegen, als letztes Mal. Das sah ungefähr so aus: zwanzig Minuten wie die angestochenen durch Shanghai rennen, um auf die allerletzte Minute den allerletzten Bus zu bekommen. Bus als rettenden Anker, weil Taxis nämlich nicht bis zum Schiff vordringen dürfen, da wir in so einem Containerhafen liegen…
Übrigens: die Pekingente muss sich auch noch bis nächstes Frühjahr gedulden, bis sie mit mir ein Tête-à-tête feiern kann!

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