Dienstag, 5. Mai 2009

Klappe die letzte – ab nach Haus!

Vor zwei Wochen auf einer Crew-Party, ich bin wild durch die Gegend getanzt mit Gin Tonic in der Hand. Nie wieder was anderes! Scheinbar sind die sieben Jahre, bis zu d i e s e r Geschmacksveränderung erst vor ein paar Monaten vorbeigegangen! Diese müssen einzelgängerische Spätzünder sein! Zurück zur Party. Ein Kumpel meinte zu mir, und schon beim Aussprechen haben wir uns totgelacht über die Schnulzerei dieser Aussage: jedesmal, wenn er nach Hause fährt am Ende eines monatelangen Vertrages, wenn er dann die erste Nacht im eigenen Lieblingsbett schläft, dann fragt er sich: bitte kneif mich mal einer und vor allem – wo ist die Zeit geblieben?!? … Und das beschreibt meine Wahrnehmung im Moment haargenau.

Noch vor zwei Wochen bin ich von Bangkok auf meine Abschlussfahrt gegangen um dann in Peking von Bord zu gehen. In Pattaya, nahe Bangkok, sind wir mitten in die thailändischen Neujahrsfestivitäten geraten und traditionsgemäß mit Wasser und weißen Puder - was zusammen eine hervorragende Mischung auf Haut, Haar und Klamotte abgibt – begrüßt worden.

So langsam hab ich an Bord schon als Inventar gegolten, meine Pass-Einsortier-Nummer hieß Z99, das sagt ja wohl alles. Auf dieser letzten Fahrt hat der Konsum von Stimmungs-Pushern eindeutig überhand genommen, mein Geldbeutel in den Millionen von Bars in den Metropolen der asiatischen Ostküste viel zu viel gelitten und meine Passagiere sind mit Lobeshymnen zu mir gekommen. Da passte was nicht. Eindeutig. Irgendwas war da faul..! Es gab keine Hochzeit (die gibt’s jetzt erst daheim), dafür aber zwei Todesfälle. Komischerweise habe ich vor ein paar Wochen erst mit einer Ärztegruppe eine komplette Führung durch das Schiffshospital gemacht und dort sind wir auch an dem „Kühlschrank“ vorbeigekommen, muss ja alles da sein, für alle Fälle ausgestattet. Nicht, dass ich mir den Fall der Fälle an Bord vorstellen könnte. Dort ist Platz für drei und in der Regel sind die Plätze so schnell geräumt wie sie besetzt wurden. Zumindest war es dieses Mal auch anders: China und Japan haben sich ja schon so angestellt was alle möglichen Vorschriften in allen Lebenslagen angeht, und mit den –god bless them – zwei Herzinfarkt-Damen waren sie ganz besonders streng. Die durften ihren letzten Hafen nämlich in keinem der beiden Länder haben und sind nun noch bis Südkorea in ein paar Tagen an Bord. Das alles müssen Omen gewesen sein. Time to say good bye und ich hab zugesehen, dass ich meine Koffer packe und nach beautiful Ilsenburg zurück fahre!!

Auch auf der Rückfahrt sind mir einige Steine in den Weg gekommen, sollte ich nun doch noch nicht fahren oder wie? Nach exzessiver Abschiedsfeierei am Vorabend meiner Ausschiffung hab ich doch glatt meinen morgendlichen Transfer zum Hotel verpasst! Und da hab ich mir noch Sorgen gemacht, dass ich den einen Tag in Peking bevor ich nach Hause fliege die Zeit totschlagen muss. Denn auf Sightseeing hatte ich wahrlich k e i n e n Bock mehr. Zumindest war die erste Uhrzeit, die ich am Morgen meines großen Tages auf dem Wecker entziffern konnte halb elf. Um die Uhrzeit sollte ich längst im drei Stunden entfernten Peking sein. Wie sich der Kreis so schön schließt kam hinzu, dass die chinesischen Behörden eine Regel extra für diesen Tag aufgestellt hatten, bei der Passagiere nämlich zwischen 10 und 14 Uhr das Schiff nicht verlassen durften. Und dann stand ich da. Und musste doch tatsächlich meine Zeit an Bord totschlagen, bevor ich dann runter durfte! Transfer weg, also blieb mir nur ein Taxi übrig. Am ersten Mai, dem wohl wichtigsten Feiertag im sozialistischen China… Ein Mitarbeiter hat mir dann einen Kumpel mit Taxi gerufen, und der hat mich dann in nur vier Stunden mit einstündiger Verfahr-Runde in Peking an mein Ziel-Hotel gebracht. War das also auch geschafft. Die einzige Hürde, die ich dann noch zu überstehen hatte bestand aus meinem Mordsgepäck. Und ich hatte schon ein Paket nach Hause gesendet.

Und nun siehe da. Ende gut alles gut. Ich habe meine mindestens höchstens 10m² große fensterlose Luxus-Kajüte mit Hotel Mama getauscht. Meine Aussicht aus meinem Kinderzimmerfenster ;-) ist nun in sattes Grün und leuchtendes gelb der Rapsfelder getüncht und bei so viel Heimat-Wiedersehens-Freude kann man auch schon mal über ein paar Hundert Euro hinwegsehen, die man für Übergepäck an ätzenden Pekinger-Flughäfen bezahlen muss. Nichts da mit Kulanz und einem Lächeln geht das schon. Nicht in China zumindest. Was im Übrigen auch ein Grund ist, dass ich da so schnell erst mal nicht wieder hin muss. Da muss man sich viel zu ordentlich benehmen! Und das ganze Land ist voller Gegensätze. Einerseits hockt man sich standesgemäß wie seit hundert Jahren in die Knie wenn man öffentliche Toiletten (oder besser Erdlöcher) an von Millionen von Menschen besuchten Touristen-Spots besucht, spuckt hemmungslos auf die Straße, furzt im Edel-Restaurant und rotzt in die Stoffserviette, und zum anderen kriegt man direkt tötende und verächtliche Blicke zugeworfen , wenn man ein Papiertaschentuch benutzt. DAS ist nämlich in den Augen der Chinesen richtig abartig!
Nach zwei Nächten in meinem eigenen Lieblingsbett mit herrlich nach Hause duftender Bettwäsche bin ich immer noch wie durch den Wind, von A-Z und Kopf bis Fuß gejetlagged und ich kann irgendwie nicht drum hin, mit einem weinenden aber auch einem lachenden Auge zu sagen: „Kneif mich mal bitte einer! Ist das alles schon vorbei?“.

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