Sonntag, 30. November 2008

Erster Advent, Äquatortaufe und 32°C Sonne satt!

Und so schnell vergehen knapp zwei Monate. Ich könnt heulen bei dem Gedanken. Heute liegen wir im Hafen von Laem Chabang, unserem Hafen für Bangkok. Seit dem Einschiffen in Peking Anfang Oktober sind drei sechzehn-Tages-Touren zwischen Peking und Bangkok ins Land gegangen, oder in See gestochen, und nun ist es l-e-i-d-e-r schon Zeit, dass ich meine ach so harte Arbeit auf dem Kahn alleine fortführe und Kristina von Bord geht. Trotz intensiver Argumentation, hunderten Pro’s, dass wir das Ultra-Team an Bord sind und den Deutschen Gästen so die Zeit versüßen, haben wir es nicht erreicht, Kristina zu verlängern. Für einen kurzen Moment sah es so aus, als sich unser Chefchen dazu durchringen würde. Läppische tausend Euro an Umbuchungsgebühren für einen Flug ab Sydney wiegen dann aber doch schwerer, als zufriedene Gäste. Nunja, that’s life und es geht auch so weiter. Nämlich nach Australien, es könnte schlimmer kommen, nicht wahr!?
Asien war vor allem voller interessanter Häfen. Voller Spaß und Freude am Kreuzen, Kultur, voll Freundschaft. Voll von Gegensätzen.
In Xingang hat es begonnen, dass wir auf Tuchfühlung mit den chinesischen Behörden gegangen sind, die uns nich nur einmal bewiesen haben, wer da der Lokalmatador ist und die Pantoffeln an hat. Wenn sie wollten, haben sie uns einfach im Hafen liegen lassen, ohne dass sich das Schiff trotz Fahrplan auch nur einen Zentimeter weit aufs Meer bewegt. In dieser Stadt der Größe von Klein New York, deren Namen kein Mensch in Europa kennt, waren wir versetzt in eine andere Zeit. Dort ticken die Uhren noch anders, in dem kleinsten Schuhgeschäft gibt es mindestens fünf Angestellte, die die Schuhe hin und herrücken, ohne dass sie gekauft werden, sie wälzen sich auf dem Tresen und die Langeweile steht ihnen förmlich auf die Stirn geschrieben.
689 Seemeilen südwärts und einen Hafen später legen wir in Shanghai an. Genauer gesagt in einem Containerhafen eine knappe Busstunde von der Stadt entfernt. Dieses Schiff ist so groß, dass es in den meisten asiatischen Häfen so gut wie immer in irgendwelchen Containerhäfen andockt und die Passagiere sich auf den Schlips getreten fühlen und behaupten, sie fühlen sich wie Frachtgut behandelt. Eine der Kleinigkeiten, die tagtäglich anfallen, wenn Passagiere Langeweile haben, und zu mir an den Tisch kommen, um Dampf abzulassen. Peanuts.
In Shanghai haben wir jedes Mal die Stadt unsicher gemacht und viele viele Winkel erkundet. Dies war eine der schönsten Städte bisher. Und die Skyline mit dem Oriental Pearl Tower und dem Flusslauf ist einfach wunderschön.
Etwas weiter südöstlich hat Okinawa auf uns gewartet. Ich habe kürzlich einen Bericht gelesen, dass es sich locker mit Mallorca als Badeparadies messen kann, sogar noch besser sein soll. Strände haben wir allerdings nicht entdeckt, wahrscheinlich, weil wir mitten im Nirgendwo angedockt sind und die Wege einfach zu weit waren. Allerdings gab es in Okinawa eher wenig anzusehen und was mir von da besonders in Erinnerung geblieben ist, sind die X Schulmädchen in ihren Uniformen. Aber hallo, die würden hier schon als halb pornographisch weggehen..! Und die Läden, voll gestopft bis unter die Decke mit bunt in bunten Süßigkeiten, fünf Mal in Plastikfolie eingewickelt. Das sah alles seehr ver- lockend aus, wie für die europäische Zunge gemacht ;-P
Danach stand in südlicher Richtung Taiwan auf dem Plan, der Hafen, in dem wir angedockt sind heißt Keelung, und ist ein kleines, geschäftiges Städtchen. Einmal hatte ich eine Fußmassage, die war so krass, dass ich zwischendurch laut aufgejault habe, so hart wurde ich da dran genommen! Noch zwei Tage danach hab ich meine Beine kaum gespürt. Taipeh, das eigentliche Highlight, liegt ca. 45 Minuten mit dem Zug oder Bus vom Hafen entfernt. Wir sind zwei Mal in die Stadt gefahren und schon die Fahrt über Land war ein Genuss für’s Auge. Die Insel ist so schön grün und hügelig und so sah es auch aus sagenhaften 509m Höhe vom Taipeh 101 Tower aus!
Nach Keelung und Taipeh mussten wir nur noch 490 Seemeilen warten, und unsere Lieblings-Metropole Hong Kong stand vor der Tür! Oder besser wir standen vor den Toren! Zwei Tage und eine Nacht in Hong Kong waren drei Mal der absolute Knüller während dieser sechzehn Tages-Reise! Die Stadt auf der Insel ist so gespickt mit tollen Sachen, von attraktiver Landschaft, tollem Citylife, ganz zu schweigen vom Nachtleben, Strände, Berge, grün, Shopping wie verrückt, einfach ein Eldorado. Das zudem noch so ganz un-chinesisch wirkt, deshalb könnte man es dort wirklich sehr gut aushalten, man sieht auch viele europäische Gesichter, alles wirkt so international. Nicht wie in Shanghai, wo man sich in einem Meer aus kleinen, wuselnden Chinesen befunden hat, weit und breit das einzige weiße Gesicht aus dem Westen und sogar noch eine willkommene Fotoattraktion darstellt! Nein nein, Hong Kong ist und bleibt das Mega-Event auf den asiatischen Abfahrten!
Danach stand drei Mal baden in Nha Trang auf dem Programm. Ein bisschen die Seele baumeln lassen, mein erstes Jetski-Erlebnis, Massagen am Strand. Saigon, der zweite vietnamesische Hafen, war immer mit etwas Aufwand verbunden, um dort hinzukommen. Zwei Stunden Busfahrt hin und zurück, aber es hat sich gelohnt. Ich war an Orten, die ich vor drei Jahren schon Mal besucht hatte, und das mache ich besonders gern!
Von Singapur bin ich von Mal zu Mal begeisterter zurückgekommen. Schon am Anfang war ich beeindruckt, wie sauber, ordentlich, restauriert und in Schuss die Stadt ist. Total schön anzusehen. Und das schönste Chinatown und Little India-Viertel, das ich bisher gesehen habe!
Heute ist Tag sieben auf der ersten Reise ohne Kristina. (Ich hoffe übrigens, dass du gut gelandet bist?!) Ich überlebe so lala, schaffe es zumindest, mein morgendliches Cornflakes-Tütchen gekonnt aufzureißen und muss schmunzeln, wie toll ich das alleine hinkriege!
Ich habe nun 220 Leute alleine an der Backe, heute gerade mal wieder eine Begegnung der besonderen Spezies gehabt und mir insgeheim einen ins Fäustchen gelacht, wie behämmert die Leute doch hier sein können. Ich bin überrascht, wie viel ich zu tun habe, ehrlich! Nur um das in harter Währung auszudrücken: Ich war in den letzten Tagen kein EINZIGES mal auf dem Sonnendeck (die Sonne hat auch geschienen, nicht so, wie die letzten Male, dass bei Freizeitoption dann plötzlich Regen aufkam…)und habe jeden Tag durchgeackert. So etwas kam bisher noch nie vor!
Seit zwei Tagen kann ich aber ein bisschen aufatmen. Ich habe meine erste Kabinenparty auf Deck 4 hinter mir, hänge in den Seilen und freue mich auf Kota Kinabalu, Malaysia. Dort legen wir morgen an, bevor wir dann mit satten vier Seetagen in Folge dem Lagerkoller frönen können :-).
Allen zusammen ein schönes, erstes Advents-Wochenende! Hier ist daran nicht zu denken, vor ein Paarm Tagen gerade erst Mal Thanksgiving gefeiert.

Neue Fotos gibt's unter diesem Link, und die Route hab ich auch ein bisschen upgedatet, viel Spaß!

zum Start der Fotostrecke Bild anklicken







Montag, 10. November 2008

Wetterbericht

Das Wetter ist ja auch immer so eine interessante Sache. Hier ein kleiner Wetterbericht:
In Peking die Nase aus dem Schiff herausgestreckt: bitterbitterkalt, brrr, Temperaturen um die 5°C, dafür aber sonnig und klar. Die Sonne hat so tief gestanden, dass man direkt Herbst darüber hätte schreiben können.
Unsere Hoffnung, dass es, je südlicher wir kommen, auch immer wärmer wird, ist noch nicht eingetroffen (NOCH nicht..).
Heute Shanghai: trüb, wie immer eine miserable Sicht, verdammter Smog, und die 19°, die laut Wettervorhersage heute da sein sollten, sind auch mindestens um 7° verfehlt. Es ist kalt und oll...

Trotzdem hoffen wir stark, dass wir, sobald wir aus China raus sind (endlich ;-), dass es dann auch wieder besser wird.
Letzes Mal in Okinawa, vor ca. ich weiß nicht, wie vielen Tagen, es können fünf aber auch fünfzehn gewesen sein, da hatten wir kuschelige Mittzwanzig Grad.
Das sind doch Temperaturen, wo es sich lohnt, an Bord zu sein. Da kann uns dann auch der "Noro" mal gern haben!

Xingang statt großer Mauer...

Seit einer knappen Woche fahren wir auf einem verseuchten Schiff durch chinesische Gewässer. Klingt gruselig…ist es auch! Wenn der Norovirus auf Reisen geht, dann heißt es Fiesta-Time und besonders auf so einem Mikrokosmos von Kreuzfahrtpott macht das richtig Spaß! Zum Ende der letzten Tour hieß es auf Einmal „Red Level“ und ab da ging es los, dass hunderte Passagiere unter Quarantäne auf ihren Kabinen eingesperrt wurden, man sich nicht mehr selber bedienen durfte und einem alles und jedes kleinste Stückchen Butter von irgendeinem Kellner auf den Teller gelegt wurde. Red Level schließt auch ein, dass Crewmitglieder strikt von den Passagieren getrennt zu halten sind, es sei denn, sie arbeiten. Das hat sich dann auch etwas blöd auf unsere Situation ausgewirkt: zum einen können wir (glücklicherweise) fast überall auf dem Schiff rumstrolchen, wo wir wollen. Damit sind wir aber auf der anderen Seite von etlichen Supervisors fälschlicherweise als Crew entlarvt wurden, als wir uns am schönen Buffet selbst gütig tun wollten. Autsch! Und dann hieß es ab in die Crew Kantine… ein Fest! Drei Tage lang haben wir uns dann so richtig an der Nase herum geführt gefühlt, weil wir ja immerhin den Passagierstatus haben, uns nicht an den feinen Sachen laben können, und zudem das Essen in der Crew Kantine wirklich ein Graus ist! ;-)
Das ist lange nicht das schlimmste…denn dieser Norovirus hat uns verdammt noch mal die Pläne des Jahrhunderts durchkreuzt! Am Bettenwechseltag in Peking hatten wir uns für eine Tour angemeldet, die zur Großen Mauer von China führen sollte. Wie aufregend…!!!
Doch mit den Chinesen ist lange nicht so gut Kirschen essen, wie man sich das wünschen würde: bevor wir das ganze Schiff mit den zum größten Teil wieder genesenen Gästen leeren konnten, sind eine Abordnung von mindestens zwanzig Chinesischen Beamten an Bord gekommen, um das Schiff freizugeben. Die sind da sehr genau… Als sie aber festgestellt haben, dass (-trotz tagelanger Desinfektion des Kahns von Kopf bis Fuß-) immer noch ein Paar Fälle von Kranken an Bord waren, haben Sie uns einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Die Schiffsfreigabe hab mal locker 30 Stunden gedauert, bis alles ok war und die Passagiere von Bord durften, und dies war dann leider viel zu spät für uns und unsere Tour, denn pro Strecke hätten wir um die drei Stunden gebraucht, bis wir an der großen Mauer angekommen wären.
So ist das mit den Chinesen… :-( Nun muss ich bis nächstes Jahr März ausharren, und mein Glück noch mal herausfordern! Daumen gedrückt, dass es hoffentlich dann klappt!
Anstelle dessen sind wir an dem Tag dann, mit unseren drei Stunden Freizeit bestückt, nach Xingang downtown gefahren. Da fragt sich vielleicht der ein oder andere…hm, Xingang, noch nie gehört!? Nee, ich vorher auch nicht. Das ist die Hafenstadt und quasi unser Tor nach Peking auf dieser Reise. Eine Stadt von ca. sieben Millionen Einwohnern, Hochhäuser so weit das Auge reicht, nur Chinesen weit und breit und wahrscheinlich ein gutes Spiegelbild der Volksrepublik China mit ihrem sozialistischen Dasein. Wirklich erstaunlich ist, dass es wahrscheinlich X von diesen riesigen Städten in China gibt, die aber bei uns niemand kennt! Ein riesen Punkt auf der Landkarte, der bei uns beträchtlich ins Auge fallen würde, und hier zu Lande nur einer von tausenden ist!
Heute früh haben wir in Shanghai angedockt, Klappe die Dritte. So schnell geht das. Wir haben unsere dritte Riesengruppe an Bord, um die vierhundert Germanen, und es läuft sehr gut. Heute soll das „Red Level“ herunter gestuft werden, und wir erleben hoffentlich wieder einen angenehmen „Alltag“, wenn man das normal nennen kann ;-)

In Shanghai treffen wir uns heute wieder mit einem Kumpel aus Deutschland und ich hoffe sehr, dass Kristina und ich den letzten Bus, der uns zum Schiff bringt, etwas früher kriegen, als letztes Mal. Das sah ungefähr so aus: zwanzig Minuten wie die angestochenen durch Shanghai rennen, um auf die allerletzte Minute den allerletzten Bus zu bekommen. Bus als rettenden Anker, weil Taxis nämlich nicht bis zum Schiff vordringen dürfen, da wir in so einem Containerhafen liegen…
Übrigens: die Pekingente muss sich auch noch bis nächstes Frühjahr gedulden, bis sie mit mir ein Tête-à-tête feiern kann!