Donnerstag, 17. Dezember 2009

Eine Seefahrt die ist lustig…

In 24 Tagen von Athen nach Singapur - Ende November haben wir uns auf den Weg gemacht, das Mittelmeer zu verlassen und nach Asien überzusetzen. Nachdem wir den letzten Mittelmeerhafen, Alexandria, verlassen hatten, sind wir auf durch den Suezkanal gefahren. Während dieser Tage auf See, im Kanal und dann durch den Golf von Aden, haben wir stets und ständig Kriegsflotten um uns herum gehabt, sind im Konvoi gefahren, und haben 24 Stunden Security auf den oberen Decks herum patrouillieren lassen. Mit diesen ganzen Piratenwarnungen haben wir hier extreme Sicherheitsvorkehrungen getroffen und zig Notfallpläne ausgearbeitet. Im Nachhinein haben wir erfahren, dass ein Tankerschiff zwei Schiffe hinter uns im Konvoi von Piratenfischerbötchen angegangen worden ist und beschossen worden ist. Eigentlich hab ich mir während dieser ganzen Zeit eher gedacht, dass die Amis mal wieder einen riesen Wind um diese ganze Geschichte machen, wohl doch zu Recht!
Nach ganzen 8,5 Tagen non-stop auf See sind wir dann in Dubai angekommen, und haben dort zwei Tage gehabt. Ein Kumpel von mir hat Familie dort, und so sind wir von vier dicken Autos empfangen worden und durch Dubai kutschiert worden. Herrlich! Bei der Stadt bekommt man zwar das Gefühl, dass sie wie aus der Wüste heraus gestanzt wurde, aber dennoch ist es sowas von beeindruckend mit diesen ganzen Riesengebäuden und dem ganzen Zirkus.
Zwei Seetage später: Ankunft in Mumbai, Indien!! Irgendwie hab ich mir nie so recht vorstellen können, nach Indien zu reisen. Davor hab ich immer so einen gewissen Respekt gehabt. Jetzt im Nachhinein kann ich nur sagen – Incredible India!!! Und – ich bin total überwältigt!
Ich hab das Glück gehabt, auch hier mit Freunden unterwegs zu sein, das macht wohl jede Erfahrung, wo auch immer man gerade unterwegs ist, besonders. Am ersten Tag meiner Mumbai-Experience bin ich zusammen mit einer Kollegin (Kamilla aus Polen)und einem Kollegen (aus Goa) zu einer Taufe eingeladen gewesen von einem Arbeitskollegen hier an Bord. Es war eine Riesenfeier mit locker 250 Gästen und als wir drei auf die Feier kamen, haben sich alle 250 Köpfe nach uns gereckt, wir beiden Mädels waren wirklich die einzigen hellhäutigen, blondschöpfigen Gesichter weit und breit, keine Frage, dass da die Überraschung groß war. Wir haben uns prächtig amüsiert, alle waren so herzlich und vor allem interessiert, die Party war so ganz anders, als ich mir eine Taufefeier vorgestellt hätte, und im Nachhinein haben wir nochmal gesagt bekommen, wie sehr sich die Tauf-Eltern und alle Gäste gefreut hätten, dass wir dort vorbeigeschaut hätten, es wäre wirklich „something special“ gewesen. Im Endeffekt waren alle happy, wir, unheimlich geehrt und dankbar, eingeladen zu sein, und alle anderen für einen so netten Austausch. Danach sind wir weiter in unserer Dreier-Konstellation auf Entdeckungstour in Mumbai gewesen. Vorbei am Gateway of India, dem Ort, der heute nur noch als Denkmal gewürdigt wird für die definitive Abreise aller Briten aus Indien, und natürlich vorbei am Taj Mahal Hotel, DEM Luxushotel in der größten Stadt Indiens, und dem Ort, an dem letztes Jahr die Terroranschläge stattgefunden hatten. Als wir aus dem Hafen raus sind, bin ich von diesen absolut gigantisch großen Bäumen empfangen worden, die die Straßen säumen. Hätte ich mir so auch nicht vorgestellt, dass ein Stückchen Dschungel-Flair hier und dort herrscht. Nach einer Indian Night mit natürlich Indischem Dinner bin ich am nächsten Tag auf die wohl krasseste Tour gegangen, die ich je in meinem Leben gemacht habe: in den größten Slum von Mumbai, wo eine Millionen Menschen wohnen, den Dharavi Slum. Es gibt da eine Non-Profit Organisation, Reality Cares (http://realitycaresindia.org/), die es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Image der Slums in Indien nicht nur aufzupolieren, sondern den Menschen zu helfen, das Beste aus ihrer Situation zu machen. Und auf der anderen Seite, das Bild, was so viele Leute von den Slums haben, zu ändern. Ich hätte mir auch gedacht, was machen die denn da den ganzen Tag, kein Geld, keine Arbeit, was zum Teufel…!!??
Und so bietet diese Organisation über das Internet Touren in die Slums an, nie mehr als fünf Personen mit einem Guide von dem Verein, und dann geht es los, auf Entdeckungsreise mitten rein. Das hatte so einen erzieherischen und aufklärenden Charakter, ich finde gar nicht recht die Worte, um zu beschreiben, was man da alles gesehen hat. Zu Anfang hatte ich einfach nur Bedenken und nicht minder Angst, das klang mir einfach zu verrückt, sich da mitten in die Slums zu stürzen. Dann hat aber doch die Erfahrung an sich überwogen und das Gefühl, in eine ganz andere Welt einzutauchen. Kein einziges Kind oder keine einzige Person hat die Hand vor mir aufgehalten, um zu betteln oder nach irgendetwas zu fragen. Die Organisation nimmt seit drei Jahren Leute auf Tour in diesen Slum, und auch wenn das verrückt klingen mag, die Leute sind unheimlich dankbar, dass Menschen von außerhalb dort vorbeikommen, um zu erfahren, was sie dort machen. Der ganze Slum ist eine der größten Recycling-Anlagen, die man sich vorstellen kann. Da wird der ganze Müll aus Mumbai Stück für Stück (und wirklich jedes einzelne Teil handverlesen) getrennt und wiederverwendet! Unglaublich, noch nie gesehen! Plastik wird zerschreddert, gereinigt, auf den Dächern getrocknet und in Säcke abgefüllt und dann wieder zu den großen Firmen geliefert, Aluminiumkanister werden ausgebeult, gereinigt, repariert, ja recycelt und dann wieder frisch und neu aufbereitet, Aluminium wird zusammengeschmolzen, es gibt eine Ecke in dem Slum, wo gewebt wird, wo Leder zurecht geschnitten wird, Tontöpfe getöpfert und gebrannt werden. Vorbei an Kindergärten, Schulen … undundund. Ich hätte mir nicht in Traum vorgestellt, was es dort alles gibt, es gibt alles, und dass die Leute dort arbeiten! Aber ganz im Gegenteil, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, und unter Bedingungen, die einem teilweise das Herz zerreißen. In der Abteilung, wo sie Aluminium zusammenschmelzen sind die Menschen diesen giftigen Gasen ausgesetzt, Tag für Tag, und man kann in deren Gesichtern sehen, dass sie auf ewig Schaden davon getragen haben und wenn man den Faden weiterspinnt weiß man auch, dass sie das nicht ewig machen werden und wenn sie eben zu krank sind, dann kommt der nächste an die Reihe. In der anderen Ecke, wo sie mit Metall arbeiten, und Geräte herstellen, da herrschen die gefährlichsten Bedingungen, man macht sich kein Bild, das ist einfach zu krass. Auf jeden Fall muss man eine Sache total revidieren: die Menschen dort sind alles andere als faul und nichtstuend. Wir sind durch die Hütten und nur mit Vorhängen getrennten Häuser gegangen, wo in einem Minizimmer fünf oder mehr Menschen leben, es gibt keine Kanalisation, wohl aber Elektrizität und auch Telefon. Irgendwie ist es immer ein Wunder, wo auch immer die Menschen wohnen, dass zumindest immer ein Fernseher und ein Telefon verfügbar ist! Wir sind quer durch deren Werkstätten und hoch auf die Dächer geklettert. Und wenn man sich dann den Film „Slumdog Millionaire“ vor Augen führt (den seh ich jetzt mit ganz anderen Augen!), stellt man einfach mal fest, dass man mitten dort drinnen ist, wo der Film teilweise gedreht wurde, und dass das alles echt ist und traurige Realität. Trotzdem sind wir fünf von dieser Tour nicht deprimiert und am Boden zerstört zurückgekommen, sondern einfach nur überwältigt von dem, was wir gelernt haben, gesehen. Wir haben kein einziges Foto gemacht, das ist alles im Kopf gespeichert, und allein aus Respekt vor den Menschen hätte sich keiner von uns getraut, mit einer Linse draufzuhalten. Das war wirklich eine Erfahrung so reich an Eindrücken, Informationen und Aufklärung, wer immer auch nach Mumbai fahren sollte, das ist etwas, was ich nur schwer weiterempfehlen kann!! Wahrhaftig Incredible India!!!
Nach Mumbai sind wir nach Cochin gefahren, Indien Teil zwei auf unserer Reise. Und diese Stadt war so ganz anders als ich erwartet hätte. Nicht, dass ich mir viel vorstellen konnte, aber trotzdem eine wunderschöne kleinere Stadt. Aber alles was nach Mumbai mit seinen locker 20 Millionen Menschen kommt, kann einfach nur kleiner sein. Cochin hat diesen Charme von Ende 1800/Anfang 1900, die Häuser tragen die Handschrift der britischen Architekten und wenn man eine Landlord-Pferdekutsche mit Grafen im Frack und Damen im Seidenballon-Kleid und Seiden-Sonnenschirmchen gesehen hätte, würde man nicht überrascht sein, und sich direkt in diese Zeit zurückversetzt fühlen.
Nach diesen nur paar Tagen auf indischem Boden bin ich irgendwie hin und weg und könnte mir wirklich gut vorstellen, das Land mal etwas genauer zu bereisen. Das war ja schließlich nur eine Kostprobe.
Nun haben wir noch mal drei Tage auf See vor uns, ich muss nicht betonen, dass es, je kühler es scheinbar zuhause wird, desto heißer hier bei uns wird. Herrlich :)
Bevor wir am 22. Dezember in Singapur ankommen, haben wir noch zwei Stops in Malaysia, in Penang und Port Klang. Und eins von beiden ist das Tor zu Kuala Lumpur und ich kann es nun schon kaum erwarten, hoch auf dieses Superduper-Gebäude (ob es nun das höchste der Welt ist oder war) zu gehen.
Weihnachten tut es, wie auch schon letztes Jahr, gefühlsmäßig tendenziell gen Null. Wir haben hier zwar Weihnachtsschmuck, -Bäume und –Lichter. Aber mit Weihnachten zuhause hat das nicht das Geringste gemein. Das ist aber ok, denn wenn anders, dann kann es auch ruhig drastisch anders sein.
Allen zuhause wünsche ich aber an dieser Stelle schon mal eine besinnliche Vorweihnachtszeit!

Dienstag, 17. November 2009

November-Update

Eigentlich wollte ich schon seit Wochen, ja, ich kann fast von zwei Monaten sprechen, meinen Blog upgedatet haben. Doch irgendwie hab ich in meinem Alltag bis jetzt noch nicht so richtig die Lücken gefunden, in denen ich mich (wie eigentlich sonst) lang und ausgedehnt im Internet vergnügen kann. Es gibt einfach zu viele gute Häfen da draußen und zu viele Dinge, die ich mit meinen Leuten unternehme. Und somit muss ich mich jetzt ein bisschen im resümieren der letzten Wochen üben.
Mein Alltag besteht aus viel Arbeit. Das geht den Menschen wie den Leuten. Das nette aber ist, dass wir wie schon erwähnt jeden Tag an einem anderen Fleckchen Erde ankern. Auf der anderen Seite bin ich nun mehr als vertraut mit safety drills (Rettungsübungen auf hoher See), Cabin Inspections, bomb search (ja auch auf Kreuzfahrtschiffen haben wir Potential für eine Bomben-Attacke!) und tausend regeln, die mich sonst eigentlich nicht die Bohne interessiert haben. Aber gut, was soll’s. Man gewöhnt sich dran, und die anderen schönen Dinge, die so ganz nebenbei als Annehmlichkeiten abfallen, schätzt man dann umso mehr!
Seit ich an Bord bin sind wir mit dem Schiff die Südküste von Frankreich entlanggefahren, um Italien herum, nach Griechenland, entlang der türkischen Küste, Ägypten… Ich habe die traditionellen türkischen Bäder ausprobiert, Wasserpfeife in Istanbul gepafft, Kamele in Ägypten geritten, Tut-Ench-Amun in der Pyramide von Gizeh die Hand geschüttelt, die Ruinen von Pompei erkundet --- … es gibt so viel zu machen im schönen Europa!!
Nun sind wir für die letzten zwei Wochen im Mittelmeer und machen uns so langsam frisch für die Überfahrt durch den Suezkanal nach Dubai und Indien. Acht Tage auf See am Stück… ich kann’s kaum erwarten!!

Alles neu macht der September…

… nicht nur ein neues Lebensjahr, sondern auch ein neuer Job!
Nach etlichen Tests und Interviews in allen möglichen Sprachen, Medien, zu den unmöglichsten Uhrzeiten und mit den unterschiedlichsten Personen habe ich die Zusage zu einer neuen Herausforderung bekommen. Und nun bin ich schon wieder unterwegs, als neue Internationale Hostess auf der Luxus-Reederei Azamara.
„Mein“ Schiff, die Azamara Quest, ist in vielerlei Hinsicht anders, als ich es gewöhnt bin.
Verwöhnt von den großen brandneuen Schiffen von Princess muss man sich hier erst mal rein fuchsen. Und klar, von der anderen Seite, aus der Sicht eines Crew-Members, sind da viele Veränderungen vorprogrammiert, die mir vorher, als Dauerpassagier und wohl bestückt mit dem schönsten Job der Welt, nicht so aufgefallen wären.
An Bord angekommen hätte ich eigentlich am liebsten gleich wieder meine sieben Sachen gepackt (und dabei habe ich viel zu viel mal sieben) und wäre drei Piers weiter auf die Grand Princess gegangen, die rein zufällig im Hafen von Barcelona lag. Viele Kleinigkeiten, darunter die Tatsache, dass man sich darauf einstellt, seine eigenen vier Wände zu haben (wenn auch im Barbyhausformat) und es dann doch nicht hat, weil das Schiff einfach mal viel zu klein ist, um jeder Position seine „Rechte“ zuzugestehen. Und somit wohne ich in einer Minikabine ohne Barby-Schick aber dafür mit Carina, meiner Roomy aus Argentinien. Und wenn sie nicht wirklich so ein Goldschatz wäre, würde ich mich vielleicht immer noch grau grämen, dass ich mein Zimmer teilen muss. Aber so ist das nun doch in Ordnung. Wie war das, man gewöhnt sich schließlich an alles.
Auf dem Schiff sind „nur“ 670 Passagiere und 400 Crew, das sind Dimensionen, die mit meiner bisherigen Erfahrung nicht das Geringste gemein haben. Aber auch hier hat das seine Vorteile, denn mit diesem kleinen Kähnchen fahren wir wirklich jeden Tag einen neuen Hafen an, im Moment noch im Mittelmeer, und ich komme an Plätze, von denen ich vor drei Monaten noch nicht mal den Namen kannte. Mit so wenig Crew kennt man auch spätestens nach 3 Tagen die komplette Besatzung und ist mit jedem dicke da, da hat auch der Captain nicht so eine Mega-Autoritäts-Rolle wie auf einem Schiff mit 1100 Crew. Unser Kapitän ist „erst“ Mitte dreißig und liebt Karaoke, und ist so gut wie immer der letze in der Crewbar. Hab ich so auch noch nicht gesehen, ist aber unheimlich witzig! Hier geht es alles sehr persönlich zu, definitiv ein Riesenpluspunkt!

Donnerstag, 23. Juli 2009

Ostsee-Charme


4.244 Km. Oder 2.292 nautische Meilen. Das entspricht genau der Strecke, die ich im Zehn-Tages-Rhythmus ein Mal rund um die Ostsee zurück lege.

Früher als eigentlich geplant bin ich nun doch wieder „einberufen“ worden, mitten aus meinen ach so heiligen Ferien gerissen. Aber zu so einer Tour, die ja fast ein Homerun ist, kann ich nicht nein sagen! Zumal etliche meiner Freunde von der dirty Diamond Princess hier auf dem Schiff sind und ich keinen dieser Häfen vorher bereist habe.
Nach einer Woche Kroatien-Urlaub bei meiner Freundin Božena bin ich schon wieder unterwegs, volle Fahrt voraus und beschippere jeden Tag, ausgehend von unserem Umschlaghafen Kopenhagen, eine andere Stadt.

Mein „Welcome-Aboard“ war phänomenal, die Begrüßung mit mindestens 20 Leuten, denen ich Peking auf Wiedersehen gesagt habe (als wäre es grad gestern) so ein Kracher! Und man braucht gar nicht lange, um sich sofort wieder an den Schiffsalltag, das Unterwegs-Sein und alles andere, was das so mit sich bringt, zu gewöhnen.

Die Reiseroute startet in Kopenhagen und unser erster Hafen ist Stockholm. Aus meiner bislang großartigsten Kabine meiner gesamten Princess-Karriere habe ich aus meinem Queen-Size-Bett (ein bisschen angeben muss an der Stelle sein, es ist herrlich! und man kann in dieser Kabine getreu dem Motto der Reederei completely escapen…)eine Sicht auf die langen, schmalen und von einsamen Häuschen gesäumten Fahrtkanäle Schwedens, soweit das Auge blickt sieht man nur grüne Wälder, Hügel und natürlich das Wasser.
Am Tag darauf fahren wir in Finnlands Hauptstadt, und dort bekomme ich, Dank meiner Kumpel an Bord, jeden Abend nach dem Sailaway einen frischen Lachs vom Küchenchef präsentiert. Ein Königreich…

Man hat gar nicht viel Zeit zum Durchatmen, denn an den darauffolgenden zwei Tagen liegen wir im Hafen von St. Petersburg, und dort gibt es so viel zu sehen, dass man fast 48 Stunden nur auf Sightseeing ist. Ohne die Party, die ich eigentlich von dem Overnight erwartet hätte. Ganz untypisch für Schiffs-Overnights verbringen wir diese hier fast ganz brav (;-P) an Bord in der Crewbar. Denn mit der potentiellen Gefahr, dass hier irgendein Crewmitglied die Schweinegrippe haben könnte (die sind ja auch gar nicht in Kontakt mit den 3500 Passagieren hier….überhaupt nicht), wird es der Crew erst gar nicht erlaubt, von Bord zu gehen. Somit gehe ich die beiden Tage über auf Exploration und laufe mir die Schuhsohlen platt, und geselle mich des Nachts zu meinen Leuten und wir feiern St.Petersburger „Weiße Nächte“ an Bord! Hat auch was, bis jetzt war die Party immer ordentlich und ich am Tag zwei total erledigt. Ich hatte das Glück, einem ganz besonderen Spektakel beiwohnen zu dürfen, und zwar dem Ballett „Schwanensee“. In der Pause bin ich am Sekt-Stand einem der Reiseleiter, die ich auf der Asien-Route an Bord hatte, in die Arme gelaufen, die Welt ist wirklich ein Dorf und wir beide haben wirklich gestaunt! Als das Ballett um halb 12 Uhr nachts zu Ende war, war es noch immer fast komplett taghell, ein echt schönes Schauspiel. Im Moment geht die Sonne hier nur für 4 Stunden halbwegs unter, ein rötlicher Schimmer bleibt immer, es wird nie ganz dunkel, und das verleiht dem „Venedig des Nordens“ noch einen schöneren Touch.

Nach einem zwei-Tages-Marathon geht es Schnurstraks weiter, und wir besuchen eine meiner Überraschungsstädte dieser Route: Tallinn. Es erinnert mich mit seinen vielen Kopfsteinpflasterstraßen, restaurierten Fachwerkhäusern und mittelalterlichen Türmen ziemlich an Wernigerode, ist nicht so groß aber total hübsch…vielleicht deswegen.
Auch am Tag darauf, in der Hansestadt Danzig, habe ich mich total an der tollen Innenstadt mit seinen Speicherhäuser-Fassaden und unheimlich aufwendig verzierten Giebeln nicht sattsehen können. Stefans Tipp mit der Suppe muss ich da noch erledigen… möchte ich nur ungern versäumen!

Und dann befahren wir jede zweite Abfahrt eine der beiden Städte: entweder Oslo oder Warnemünde. Letztere war direkt auf meiner ersten Route auf dem Programm, und die Gelegenheit haben meine Mutter und Suse nicht ungenutzt gelassen und mich auf der MS Emerald Princess besucht! Abgesehen davon, dass ich das unglaublich toll fand, die beiden an Bord herumzuführen, fand ich Warnemünde einfach umwerfend schön. Und ohne Oslo bis jetzt einmal bereist zu haben würde ich am liebsten gestern als heute wieder nach Warnemünde zurückfahren! Definitiv der Hafen mit dem größten Spaß-Faktor. Und nicht nur, weil das Wetter hier bis jetzt aller Erwartungen zuwider ausgezeichnet und sommerlich ist, toi toi toi, und zwar überall! Und weil es einfach so schöne Erinnerungen aus meiner Kindheit von (ich kann nun schon sagen: vor über 20 Jahren) hervorruft! Bevor ich von Bord gehe laufen wir hier noch mal an, und wollen dann eine Beachparty machen, sehr günstig ist auch, dass wir hier erst um 22 Uhr ablegen…ein Träumchen!

Am letzten Tag der Reise machen wir vormittags einen Halbtagesstopp in Helsingborg, einem schwedischen Städtchen, bevor wir dann abends in Kopenhagen einlaufen. Dies beschert uns nicht nur zwei verschiedene Länder an einem Tag, sondern einen weiteren heißbegehrten aber auch kräftezehrenden Overnight mit mucha Fiesta garantiert! Die Dänen stellen sich nämlich etwas gelassener an als ihre Kollegen in Russland, und in dieser Nacht gehen wir garantiert alle von Bord und machen die Partyszene vor Ort unsicher!

Summa Summarum kann ich mich alles andere als beschweren, meinen Heimaturlaub etwas verkürzt zu haben. Schiff, Leute und Fahrtroute stimmen und sind ein nettes Sommer-Schmankerl!

In diesem Sinne wünsche ich allerseits einen schönen Sommer, schöne Ferien & Urlaub und schicke liebe Grüße aus der Ostsee!

Dienstag, 5. Mai 2009

Klappe die letzte – ab nach Haus!

Vor zwei Wochen auf einer Crew-Party, ich bin wild durch die Gegend getanzt mit Gin Tonic in der Hand. Nie wieder was anderes! Scheinbar sind die sieben Jahre, bis zu d i e s e r Geschmacksveränderung erst vor ein paar Monaten vorbeigegangen! Diese müssen einzelgängerische Spätzünder sein! Zurück zur Party. Ein Kumpel meinte zu mir, und schon beim Aussprechen haben wir uns totgelacht über die Schnulzerei dieser Aussage: jedesmal, wenn er nach Hause fährt am Ende eines monatelangen Vertrages, wenn er dann die erste Nacht im eigenen Lieblingsbett schläft, dann fragt er sich: bitte kneif mich mal einer und vor allem – wo ist die Zeit geblieben?!? … Und das beschreibt meine Wahrnehmung im Moment haargenau.

Noch vor zwei Wochen bin ich von Bangkok auf meine Abschlussfahrt gegangen um dann in Peking von Bord zu gehen. In Pattaya, nahe Bangkok, sind wir mitten in die thailändischen Neujahrsfestivitäten geraten und traditionsgemäß mit Wasser und weißen Puder - was zusammen eine hervorragende Mischung auf Haut, Haar und Klamotte abgibt – begrüßt worden.

So langsam hab ich an Bord schon als Inventar gegolten, meine Pass-Einsortier-Nummer hieß Z99, das sagt ja wohl alles. Auf dieser letzten Fahrt hat der Konsum von Stimmungs-Pushern eindeutig überhand genommen, mein Geldbeutel in den Millionen von Bars in den Metropolen der asiatischen Ostküste viel zu viel gelitten und meine Passagiere sind mit Lobeshymnen zu mir gekommen. Da passte was nicht. Eindeutig. Irgendwas war da faul..! Es gab keine Hochzeit (die gibt’s jetzt erst daheim), dafür aber zwei Todesfälle. Komischerweise habe ich vor ein paar Wochen erst mit einer Ärztegruppe eine komplette Führung durch das Schiffshospital gemacht und dort sind wir auch an dem „Kühlschrank“ vorbeigekommen, muss ja alles da sein, für alle Fälle ausgestattet. Nicht, dass ich mir den Fall der Fälle an Bord vorstellen könnte. Dort ist Platz für drei und in der Regel sind die Plätze so schnell geräumt wie sie besetzt wurden. Zumindest war es dieses Mal auch anders: China und Japan haben sich ja schon so angestellt was alle möglichen Vorschriften in allen Lebenslagen angeht, und mit den –god bless them – zwei Herzinfarkt-Damen waren sie ganz besonders streng. Die durften ihren letzten Hafen nämlich in keinem der beiden Länder haben und sind nun noch bis Südkorea in ein paar Tagen an Bord. Das alles müssen Omen gewesen sein. Time to say good bye und ich hab zugesehen, dass ich meine Koffer packe und nach beautiful Ilsenburg zurück fahre!!

Auch auf der Rückfahrt sind mir einige Steine in den Weg gekommen, sollte ich nun doch noch nicht fahren oder wie? Nach exzessiver Abschiedsfeierei am Vorabend meiner Ausschiffung hab ich doch glatt meinen morgendlichen Transfer zum Hotel verpasst! Und da hab ich mir noch Sorgen gemacht, dass ich den einen Tag in Peking bevor ich nach Hause fliege die Zeit totschlagen muss. Denn auf Sightseeing hatte ich wahrlich k e i n e n Bock mehr. Zumindest war die erste Uhrzeit, die ich am Morgen meines großen Tages auf dem Wecker entziffern konnte halb elf. Um die Uhrzeit sollte ich längst im drei Stunden entfernten Peking sein. Wie sich der Kreis so schön schließt kam hinzu, dass die chinesischen Behörden eine Regel extra für diesen Tag aufgestellt hatten, bei der Passagiere nämlich zwischen 10 und 14 Uhr das Schiff nicht verlassen durften. Und dann stand ich da. Und musste doch tatsächlich meine Zeit an Bord totschlagen, bevor ich dann runter durfte! Transfer weg, also blieb mir nur ein Taxi übrig. Am ersten Mai, dem wohl wichtigsten Feiertag im sozialistischen China… Ein Mitarbeiter hat mir dann einen Kumpel mit Taxi gerufen, und der hat mich dann in nur vier Stunden mit einstündiger Verfahr-Runde in Peking an mein Ziel-Hotel gebracht. War das also auch geschafft. Die einzige Hürde, die ich dann noch zu überstehen hatte bestand aus meinem Mordsgepäck. Und ich hatte schon ein Paket nach Hause gesendet.

Und nun siehe da. Ende gut alles gut. Ich habe meine mindestens höchstens 10m² große fensterlose Luxus-Kajüte mit Hotel Mama getauscht. Meine Aussicht aus meinem Kinderzimmerfenster ;-) ist nun in sattes Grün und leuchtendes gelb der Rapsfelder getüncht und bei so viel Heimat-Wiedersehens-Freude kann man auch schon mal über ein paar Hundert Euro hinwegsehen, die man für Übergepäck an ätzenden Pekinger-Flughäfen bezahlen muss. Nichts da mit Kulanz und einem Lächeln geht das schon. Nicht in China zumindest. Was im Übrigen auch ein Grund ist, dass ich da so schnell erst mal nicht wieder hin muss. Da muss man sich viel zu ordentlich benehmen! Und das ganze Land ist voller Gegensätze. Einerseits hockt man sich standesgemäß wie seit hundert Jahren in die Knie wenn man öffentliche Toiletten (oder besser Erdlöcher) an von Millionen von Menschen besuchten Touristen-Spots besucht, spuckt hemmungslos auf die Straße, furzt im Edel-Restaurant und rotzt in die Stoffserviette, und zum anderen kriegt man direkt tötende und verächtliche Blicke zugeworfen , wenn man ein Papiertaschentuch benutzt. DAS ist nämlich in den Augen der Chinesen richtig abartig!
Nach zwei Nächten in meinem eigenen Lieblingsbett mit herrlich nach Hause duftender Bettwäsche bin ich immer noch wie durch den Wind, von A-Z und Kopf bis Fuß gejetlagged und ich kann irgendwie nicht drum hin, mit einem weinenden aber auch einem lachenden Auge zu sagen: „Kneif mich mal bitte einer! Ist das alles schon vorbei?“.

Mit einem Klick auf das Bild gibt's ein neues Fotoalbum zum durchstöbern!

Donnerstag, 16. April 2009

In 80 Tagen um die Welt?

… Nicht ganz. Dafür aber in 14 Tagen zwei der berühmtesten, Jahrhunderte alten Bauwerke auf der Welt! Das waren definitiv die größten Superlative, die ich je in solcher Zeit absolviert habe!!
Mal langsam zum mitschreiben und von vorn. Ich habe gestern sage und schreibe meine vierzehnte und letzte Kreuzfahrt an Bord der beautiful Diamond angetreten. Jawoll, in zwei Wochen kommt Henni home und dann sind erst mal Ferien angesagt!

Die letzten Wochen waren zumeist durch lustiges Lachen, sagenhafte Sehenswürdigkeiten und endloser Erschöpfung gekennzeichnet. Nachdem ich letztes Jahr noch nicht das Glück gehabt hatte, zur großen Mauer von China zu fahren, bot sich mir die Gelegenheit vor knapp drei Wochen, als wir in Peking gewesen sind. Übrigens bin ich ob der eisigen Temperaturen, die da hoch im Norden geherrscht haben, erst mal wochenlang krank gewesen. So eine sonnenverwöhnter Seele kann da schon mal schwächeln…
Zumindest hab ich es geschafft: ich war da, an der großen Mauer von China!!!!!!!! Ein unglaubliches Gefühl, vor kilometerlangen Stücken zweitausend Jahre alter Geschichte zu stehen. Und darauf zu wandeln. Das wandeln sah in natura eher etwas holprig aus, die Stufen können einem schon buchstäblich das Genick brechen, und die Beine! Von den typischen, chinesischen Tippel-Schrittchen-Stufen bis hin zu mehr als einem halben Meter hohen Stufen war alles dabei. Und bei so viel Treppen steigen, wird einem auch bei frösteligen Temperaturen wieder warm. Auf dem Weg zur Mauer haben wir einen Teil des wirklich ursprünglichen Chinas miterlebt, die Behausungen (Häuser kann man das nicht nennen) der Menschen waren wie vor zweihundert Jahren, mindestens. Es war wirklich interessant, zu sehen, wie kontrastreich es außerhalb von Peking und Shanghai zugeht.

Auf dem Weg von Peking wieder runter nach Bangkok war Hong Kong wie immer ein Highlight. An dem Tag sind leider noch mal einige meiner besten Freunde von Bord gegangen, sodass wir schon die Nächte davor zum Tage gemacht hatten. Eigentlich gingen wir fest davon aus, vor zwölf wieder an Bord zu sein. Aber irgendwo von ganz tief unten kam dann doch noch ein ordentlicher Energie- und Adrenalin-Kick, der einen dann doch wieder mal dazu befähigt hat, den Hong Kong Overnight bloß nicht zu vergeuden und bis zum nächsten morgendlichen Sonnenstrahl auszukosten !!

Danach bin ich in einen ganz besonderen Genuss gekommen, nämlich eine Drei-Tages-Overland-Tour nach Kambodscha zu der sagenhaften Tempelstadt von Angkor Wat! Gut, es war nicht mein erster Besuch dieser Stätte, aber allein das Gefühl, drei Tage und zwei Nächte auf einer 5*-Luxus-Hotel-Tour mit nur 13 weiteren Passagieren zu sein, hat mich ungemein beflügelt!! Das war quasi mein Bonbon zum Abschluss meiner sieben Monate an Bord. Ich bin als Tour Escort mitgefahren und hab „aufgepasst“, dass auch ja alles richtig von statten geht und keiner unglücklich ist. Es war einfach traumhaft. Ich habe in Betten geschlafen, die so groß waren, dass ich nachts aufgewacht bin, und das Ende nicht gefunden habe…*schwärm*. In den drei Jahren, seit ich das erste Mal da war, hat sich einiges getan. Ich bin froh, dass ich es ohne die Massen an Menschen gesehen habe, die jetzt dort unterwegs waren. Ok, es war Ostern, aber so viele Leute unterwegs, das fand ich schon beeindruckend. Und, an manchen Orten und Tempeln konnte man schon gar nicht mehr überall hochklettern, reingehen, usw. Das war damals alles noch anders und viel großzügiger offen gehalten.
Nichts desto weniger ein paar tolle drei Tage, in denen wir Saigon, Angkor Wat und die Hauptstadt Kambodschas, Phnom Penh, besucht haben. Und ich nicht arbeiten musste. Da ist das schon sehr von Vorteil, wenn man eine Verstärkung an Bord hat :-)!

Gestern waren wir in Bangkok und haben die letzte „Ladung“ Passagiere an Bord bekommen, für die ich verantwortlich bin. Nach mir die Sintflut, net wahr? Auf dem Weg nach Peking erwartet mich nun noch auf den nächsten, letzten sechzehn Tagen viel Fun in the Sun, ein Ausflug nach Macau, mein letztes Hong Kong Overnight und das Ende meines Aufenthaltes hier an Bord!
Der Auftakt war gut und feuchtfröhlich! Denn mit einem Besuch in Pattaya, Thailand, in dem vor ein paar Tagen noch die Fetzen geflogen sein sollen, sind wir gestern traditionell zu den Neujahrsfeiern der Thai mit Tanzen auf den Tischen und überall Wasserspritzerei begrüßt worden! Da blieb wirklich kein T-Shirt trocken…

Hier gibt’s ein paar Kostproben zum Anschauen:

Mittwoch, 18. März 2009

Schildkröten, GPS und Massage mit happy ending

Ein paar Wochen später, uns schwuppdiwupp liegt Australien schon ganz weit weg und ich befinde mich mit der beautyful Diamond Princess schon wieder dort, wo alles angefangen hat, nämlich auf der Linie zwischen Bangkok und Peking.
Auf meiner vorherigen Reise, der Übersetzung von Sydney nach Bangkok, ist mir noch mal so einiges an Arbeitsaufwand abverlangt worden. Auf einer 20-Tages-Fahrt hatte ich über 200 Leute an der Backe, das war mal wieder ernüchternd: zu lange Fahrten bringen eigentlich nur mehr gelangweilte und nörgelnde Gäste hervor. Und das muss ich dann ausbaden.
Gebadet bin ich wie närrisch im Indischen Ozean mit malerisch schönen Schildkröten. Getaucht, um besser zu sein. An dem (für mich) nord-westlichsten Zipfel von Australien, in Exmouth, einem Ort der so weit abgelegen ist, dass man sich selbst mit 3000 Kreuzfahrt-Passagieren wie mitten in der Wüste allein gelassen fühlt, sollte ich eigentlich mit Walhaien tauchen. Es scheint mir aber, dass ich mit diesen Riesen noch etwas mehr Glück brauche, denn immer dann, wenn ich auf Walhai-Safari gehen möchte, bleiben sie fern. Dafür bin ich aber großzügig anderweitig belohnt worden, nämlich mit meinem ersten Hai, Schildkröten über Schildkröten (ich hatte noch nie das Vergnügen) und einem Riesen-Rochen, der auf dem Grund im Sand lag. Der war so groß, dass ich in einem Meter Entfernung vor dem Tier schwebte, und ihn nicht gesehen habe, bis sich sein ellenlanger Schwanz bewegt hat, und ich den Durchmesser sehen konnte: r-i-e-s-i-g!!!
Auf dem Weg nach Bangkok sind wir an Orten wie Adelaide, Perth, Exmouth und Sihanoukville in Kambodscha vorbeigeschippert, die See war so rauh, dass selbst nach drei Seetagen in Folge jedes Crewmitglied festen Boden unter den Füßen herbeigesehnt hat. In Kambodscha dachte ich mir, wie unpassend es eigentlich gewesen war, mit einem vorrangig von Amerikanern besetzten Schiff, das den Kapitalismus förmlich nur so ausströmt, in einem Land anzulegen, das so bettelarm ist, dass schon zweijährige Kinder die Touristen auf englisch nach Geld fragen. Die dicken Touris mit ihren fetten Kameras vor der Brust und am besten noch einem Handventilator in einem local market auszusetzen, wo so viele kriegsverletzte Menschen auf einmal waren, und bein- und armlos auf dem Boden langgekrochen sind, um um Geld zu bitten, war mir wirklich much to much!
Trotzdem war Kambodscha mal wieder ein Erlebnis, die Plätze, die wir danach in dem Land besucht hatten, waren kunterbunt und hochinteressant und total schön.
Mein Willkommens-Geschenk an mich zu unserer Rückkehr in die asiatischen Gewässer war eine herrliche Massage in Saigon. Und fangfrisches Seafood vom Grill am Strand in Phu My, dem Hafen für Ho Chi Minh City.
Seit dem 14.März habe ich nun auch wieder Verstärkung an Bord bekommen. Leider nicht Kristina, dafür aber eine Christine, die mich bei der Arbeit mit locker 300 Gästen unterstützen soll. An dem Tag, als wir in Laem Chabang, dem Hafen zu Bangkok, am Pier lagen, bin ich mal wieder in den Hochgenuss von thailändischer Gastfreundschaft gekommen! Eine Freundin vom Photo Department stammt aus Bangkok und hat für den Tag einen Freund angeheuert, uns ein bisschen rumzukutschen. In einem Kleinbus zusammen mit 7 weiteren Kumpels sind wir dann auf nach Pattaya, dem nächsten Ferien-Badeort von Bangkok aus. Ein herrlicher Tag und die perfekte Einstimmung auf meine letzten noch nicht mal mehr zwei Monate an Bord.
Ab jetzt geht es schnurstraks in Richtung heimat, auf dem Weg dahin wird aber noch mal jeder Hafen besonders intensiv unter die Lupe genommen. Ich habe mir vorgenommen, mal ein bisschen nach außerhalb mit den Touren mitzufahren, innerhalb kenne ich nun schon alles zu genüge. Und wir sind bereits seit Wochen am Pläne schmieden, wie wir unsere Honk Kong-Nächte gestalten werden…!!! Wir können es alle kaum abwarten, juchuu!!
Ach ja, bevor ich es vergesse. Japaner nehmen ein Navigationsgerät mit, bevor Sie an Bord kommen!!! Kein weiterer Kommentar.
Ein paar neue Bilder gibt's hier:
http://www.facebook.com/album.php?aid=84952&id=621277031&l=4a5f4b958a

Donnerstag, 19. Februar 2009

Sayonara, Buon Dìa und wie sie nicht alle heißen…

Ich hätte nicht gedacht, dass ich mir jemals die Zeit nehmen würde, mich an den PC zu setzen und über die verschiedenen Nationalitäten an Bord zu schreiben. In der Tat gibt es hier eine Fülle an Potential für die dollsten Studien, aber dass ich das mal in die Tat umsetze, tststsst!
Nach etlichen Morgen, die nach dem Frühstück bei mir mit wahrhaftig geladener Stimmung angefangen haben, komme ich mal wieder zu dem Entschluss: sag niemals nie!
Auf dieser Kreuzfahrt haben wir mal wieder erstaunlich viele Japaner an Bord. Ich frag mich, wo die alle herkommen, aber das ist hier nicht die Frage. Zumindest sind es diese possierlichen Leutchen, die mich so über einen stinknormalen Tag auf See schlicht und einfach zur Weißglut treiben! Angefangen beim Frühstück: der Frühstücks-Saal, riesengroß und unendliche Weiten, ist vollgepackt mit Menschen. Auch noch um halb elf, wenn ich irgendwann zum Frühstück stolpere und die Crew-Küche meide, weil ich mal wieder schönes Obst essen möchte. Ich hab ja eigentlich die Wahl. Entweder very basic frühstücken, dafür aber in Ruhe. Oder leckeres feines Frühstück, dafür aber zu einem Preis der da heißt dummes Gequatsche überall um mich herum (ich behalte mir auch an dieser Stelle meinen Hang zur Übertreibung, will ja niemandem auf den Schlips treten!), ab und an die Frage „may I join you?“ und ich könnte dann immer entgegnen NEIN, darfst du nicht, seh ich so aus als ob ich Gesellschaft um diese Uhrzeit möchte??!!, und dann das schlimmste: ein Rudel voll Japaner. Alle auf einen Haufen. Die haben das Frühstück bereits seit acht Uhr morgens beendet, finden aber den ich nenn es mal Essenssaal, auch wenn es nicht richtig passt, super, um sich mit ihren Landsleuten herumzutreiben. Japaner spielen mit einer Lebenslust Scrabble, als ob es kein morgen gäbe! Zumindest habe ich drei Mal den Fehler begangen, mich in das Gewühl zum frühstücken zu begeben, eben, weil kein anderer Platz mehr frei war, und habe dies mit einem wirklichen Launen-Abfall bezahlen müssen! Diese Sprache, die in einem stetigen monotonen Aneinandergereihe von komischen Lauten und dazu einer Lautstärke wie auf dem Rummel vor sich geht: einfach Stress pur! Und dann die Scrabble-Steinchen… die permanent hin und hergemischt werden, das auf Tischen, die keine Tischdecke haben, und umso mehr Krach verursachen, wie in einer Kieselstein-Fabrik. Ich frage mich wirklich: wollen die nicht auch mal ihre Ruhe voneinander haben, in Japan ist es schon so eng und alles doppelt und dreifach gestapelt, da würde ich doch zumindest im Urlaub meine Ruhe haben wollen. Aber offensichtlich nicht. Es wird fleißig in der Gruppe – und die Japaner sieht man NIEmals allein! – gescrabblet, laut gerülpst, wenn es geschmeckt hat und in die Serviette geschnaubt. Arigato, und Sayonara!

Dies ist natürlich nur eine kleine Aufreihung meiner Erlebnisse aus meinem besonders eingeschränkten Sichtwinkel des Kreuzfahrt-Lebens. Ich bin sicher, dass es da auch ganz tolle Japanische Freunde gibt! (Nur habe ich die leider auch nicht getroffen, als wir mit dem Schiff in Okinawa angelegt sind – eher im Gegenteil….) Aber das soll ja nix heißen!
Dafür habe ich die Brasilianer wirklich ins Herz geschlossen! Immer am tanzen, feiern, zwar auch laut, aber dafür mit einer wunderschönen Sprache, das macht soo viel aus!! Und die sehen gut aus! Schon zwei Dinge, die sie den schlitzäugigen Nachbarn im Voraus haben.
Uuii, jetzt muss ich langsam meine Zunge hüten. Aber ich bitte vielmals um Entschuldigung, wenn ich etwas zu forsch loslege. Zu meiner Verteidigung: ich hatte heute früh einen dieser Scrabble-Morgen…
Russische Mitreisende haben wir auch immer einige. Die sind am allermeisten bekannt in den Boutiquen an Bord, und herzlich Willkommen! Bei Kreuzfahrten, wenn wir viele Russen an Bord haben, steigt der Umsatz wohl immer ordentlich in die Höhe.
Und die Australier und Neu Seeländer, die hab ich natürlich ganz besonders gerne! Die sind genauso cool, wie die Länder, in denen sie leben. So easy-going, cool, lässig, sonnig! Ich hab schon öfters gedacht, wenn Sydney nicht so verdammt am anderen Ende der Welt wäre, dort könnt ich mich sofort niederlassen! *träum*
Und meine Paisanos? Die Deutschen trumpfen auch an Bord mit ihren bekannten Eigenschaften. Pünktlichkeit steht da an allererster Stelle. Ich erinnere mich da nur zu gut an die ersten Fahrten, als wir um die vierhundert Leute zu betreuen hatten. Wenn man da eine Sprechstunde um elf angesetzt hat, konnte man hundertfünfzig Prozent davon ausgehen, dass mindestens fünfzig Leute schon eine Viertelstunde eher am Tisch stehen und mit den Füßen trampeln. DAS ist etwas, was ich ja zutiefst liebe! Um elf heißt um elf, und nicht dreiviertel! Wenn man dann auch noch drei Minuten zu spät kommt, weil man ständig die Uhr wegen irgendeiner Zeitverschiebung umstellen muss, dann ist aber was los! Um Himmels Willen! Ansonsten muss ich aber sagen, dass ich besonders auf den vergangenen Touren, als ich immer nur ein paar Zig Passagiere an Bord hatte, immer super nette Leute an Bord hatte. Die bringen ein Stückchen Deutschland mit her, und das ist doch auch ein schönes Gefühl.
Vor ein paar Tagen habe ich den Himmel auf Erden geschenkt bekommen! Gerade, als ich während meiner Sprechstunde einen „Spiegel“ vom letzten Oktober (ja, es war Kristinas ;-) vorgekramt hatte, um mich mit der Wirtschaftskrise ein bisschen vertraut zu machen, kam eine Dame meiner Gruppe an meinen Tisch. Eine ehemalige Flugbegleiterin, super nett und freundlich, sie hatte einen Stapel Zeitschriften aus Deutschland in der Hand, quasi noch druckfrisch, von Januar! Und nun habe ich endlich mal wieder eine deutsche Klatsch-und-Tratsch-Zeitung gelesen, einen Spiegel mit aktuellen Themen (immer noch Krise, gähn!) und bin wieder gut auf dem Stand der Dinge!
Ahoi und Arrividerci!

Dienstag, 17. Februar 2009

Rote Rosen und grüne Oliven

In den letzten Wochen hab ich mich wunderbar mit allem möglichen Sachen beschäftigen können, es hat sich, wie man es auch mal unbedingt brauch, eher nur um mich gedreht, als um den Grund, warum ich eigentlich an Bord bin. Arbeit hat mal Arbeit sein können und stand - wie es hier eigentlich sein sollte – nur an irgendeiner Stelle hinter der ersten, oder zweiten?

Bevor ich endlich aus-checken konnte, um Katja in Nelson auf der Südinsel besuchen zu können, und meinen Dauer-Ferien mal wieder so richtig einen WOW-Effekt beizusteuern, hatte ich das große Vergnügen, mit hochkarätigen Künstlern Champus zu schlürfen und geschwollen über Kunst zu quatschen. Die Rede ist von Michael Godard, der glaub ich ein US-Export-Schlager ist, und berühmt geworden ist, für seine Gemälde mit Oliven, die Hackenschuhe tragen, und er war es, der dem Dirty Martini die Krone aufgesetzt hat. Ich persönlich habe vorher noch nie was von ihm gehört, seine Werke hängen allerdings in jeder Kunstgallerie der Princess-Flotte. Genauso verhält es sich mit Bill Mack, der die Original Hollywood-Buchstaben gekauft hat, und daraus Gemälde-Drucke mit den Stars und Sternchen, die Hollywood hervorgebracht hat, gemacht hat. Und nicht zuletzt Nechita, ein Mädel in meinem Alter, millionenschwer für ihre Skulpturen und Bilder. Nunja. Ich kann das ganz einfach entschuldigen, dass ich in der Elften Kunst abgewählt hatte, also kein Grund, sich zu schämen. Wir hatten Ende Januar zwei Art-Connoisseur-Cruises in Folge, je mit einem oder zwei dieser „Stars“ an Bord. Und zu deren Anlass gab es auch ständig irgendwelche Champagner-Empfänge in der Art Galerie, die rein zufälligerweise direkt auf meinem Weg zu meinem Arbeitsplatz im Atrium führt. Aber ich habe mich natürlich nicht uneingeladen dareinstibitzt, sondern bin mit meinen coolen, einflussreichen Freunden mitgegangen. Und so trifft man wieder auf Leute, die Leute kennen, und man hört die dollsten Geschichten… Ich bin ja so froh, dass ich für Kunst in dieser Preisklasse noch nicht so viel übrig habe…

Mein Besuch bei Katja war wohl der Ober-Hit meines kompletten Vertrages hier! Ich hätte nicht im Traum gedacht, dass ich mich tatsächlich für ein paar Tage von Bord stehlen könnte!? Katja und ich hatten bei unserem Zusammentreffen zu Weihnachten, bei einem ordentlichen Martini, eine glänzende Idee!
Ich bin am Nationalfeiertag der Kiwis per Flieger zu Katja gedüst und habe nun endlich sehen können, wie sie sich ihr neues zweites Zuhause so gestaltet hat. Nun kenne ich mich mit Nelsons Tag- und Nachtleben wirklich fabelhaft aus, und auch die Umgebung hat allerhand zu bieten. Das Beste war unser Ausflug in den atemberaubend schönen Nationalpark „Abel Tasman“, wo wir mit Kayak zu Wasser und von Blasen geplagten Sandalen zu Land auf Wanderung und Discovery-Tour gingen. Auch die nördlichste Spitze der Südinsel mit einem Wahnsinns-Strand, das Zentrum von Neu Seeland, also den zentralsten Punkt, und Katja’s Indian Café sind mir nicht verborgen geblieben und nun weiss ich wirklich, wovon sie spricht! Und von dem Indian Café spricht sie wirklich oft – die Küche dort war fabulös lecker!!! Nach vier Tagen in einem vernünftigen Bett schlafen war es dann auch schon wieder soweit, zurück zum Schiff zu fliegen. Dass mein Flug Verspätung hatte, und ich drei Minuten bevor wir abgefahren sind, am Pier ankam, passt nur zu gut in meine Zeitplanung. Bis zur letzten Minute ausgekostet ;-)
Kat – noch mal besten Dank!! Wo treffen wir uns das nächste Mal?

Als ich in Auckland wieder zugestiegen bin, sind wir mit der Diamond auf die letzte Tour in Neu Seeland gegangen. Das war der Wendepunkt, seit dem geht es stets „bergauf“! Neu Seeland liegt nun hinter uns, in ein paar Tagen kommen wir in Sydney an, und von da an gehen wir auf die große Überfahrt nach Bangkok. Entlang der Westküste von Australien, ich kann’s ja kaum erwarten, auch die andere Seite zu sehen! Tja und dann ist es auch schon wieder soweit, dass ich meine Tätigkeit hier Arbeit nenne kann. Ab der Überfahrt habe ich wieder permanent 200+ Leute unter meiner Obhut, und es geht rund! Aber in Bangkok bekomme ich für die kommenden Fahrten wieder Unterstützung, dann lassen sich 400 Leute auch irgendwie unter Kontrolle halten. Und dann lohnt es sich auch schon so langsam, auf den Kalender zu gucken! Ich habe offiziell schon die drei-Monats-Marke geknackt und habe bald Land in Sicht!

Ach ja, die roten Rosen. Die gab es anlässlich des Valentinstags! Der Assistent aus dem Printshop, wo ich wirklich jeden Tag hingehen muss, Pax der Philippino, hat sich scheinbar in mich verguckt und sich wahrscheinlich allen Mut zusammengenommen, um mir die Blumen zu schicken.

Ein paar neue Bilder gibt’s unter dem Link, viel Spaß beim Anschauen!
http://www.facebook.com/album.php?aid=68287&id=621277031&l=48ce2

Freitag, 16. Januar 2009

Über den Wolken

2009! Und schon wieder Mitte des Monats… ich weiß nicht, wo die Zeit hinrennt! Sylvester und Weihnachten liegen gefühltermaßen schon wieder so weit zurück und es geht hier alles seinen gewohnten Gang. Trotzdem wünsche ich allen noch ein frohes Neues und alles Gute, mit den besten Grüßen vom anderen Ende der Welt!

Mein Jahreswechsel hatte bis auf die Tatsache, dass er sich auf hoher See abgespielt hat, nichts Mega-Außergewöhnliches an sich. Eine Party mehr, von Deck 3 bis Deck 18 alles vertreten, Rock the Boat haben wir sprichwörtlich umgesetzt und uns schön ins neue Jahr geschaukelt!
Ich habe versucht, das neue Jahr ein bisschen langsamer angehen zu lassen und habe eine Woche Partypause eingelegt. Die kam mir schlicht und einfach ewig vor. Besonders beschäftigt bin ich im Moment auch nicht sonderlich, bei 10 Passagieren unter meinen Fittichen passiert da nicht viel und ich kann mich auch mal um andere Dinge kümmern.
So zum Beispiel um meine Freizeitgestaltung und Urlaubsplanung. Ich darf mich Anfang Februar eine knappe Woche von dem Pott rar machen und Katja in Neu Seeland besuchen! Ein bisschen Urlaub darf nach knapp vier Monaten auf See auch mal wieder sein ;-) Ich bin ob der Aussicht ganz aus dem Häuschen und freue mich sagenhaft auf die nördliche Spitze von der Südinsel und das bisher nur aus Katjas Geschichten bekannte Klein-Nelson.

Und damit mir die Zeit bis dahin nicht zu lange wird, habe ich heute den Sprung ins ungewisse gewagt und mich aus 3000 Metern aus einem kleinen Flugzeug gestürzt!! Ich Höhen-Angsthase hätte nie gedacht, dass ich das mal machen werde. Aber da hier jeder von Skydiving in Neu Seeland als absolutes MUSS spricht, und ich ja geradezu vor der Türe kreuze, warum nicht. Eine ultra-krasse Erfahrung, bei der ich innerhalb von 45 Sekunden Freifall zuerst vergessen habe zu atmen, dann fast Sterne vor mir gesehen habe und dann vor Adrenalin-Kick sowas von mein Sprechorgan strapaziert habe – extrem in jeder Hinsicht. Und hinreißend!! Es hat ca. 20 Minuten gedauert, bis wir auf der richtigen Höhe waren, hatten dann das Schiff direkt unter uns und sind dann rausgesprungen, mein Instructor und ich. Nach dem freien Fall kamen ca. 5 Minuten Paragliding über dem Mt. Maunganui vor Tauranga und es war einfach zu schön. Und wahnsinnig kurz!
Aber absolut empfehlenswert!!!

Bilder dazu gibt' hier: klick!