
Hier sind wir nun. Azamara Journey, in der Antarktis. Mir fehlen die Worte.
Auf dem Weg hierhin haben wir in Port Stanley, auf den Falkland Inseln, Halt gemacht. Weit und breit nichts als Felder, Wiesen, Steinhuegel, und vor allem: Meer! Und Wind! Viel Wind! Aber noch mal mehr: Pinguine!! Hah!
Wir hatten eine Crew Tour organisiert und sind mit 4x4’s ueber Stock und Stein gefahren, um zur Bluff Cove zu gelangen, wo eine grosse Kolonie von Gentoo- und auch Koenigspinguinen ansaessig ist.
Schoenes Erlebnis. Kleine, suesse Freunde sind das! :)
Wir haben uns alle staendig gefragt, wie das so sein muss, mit nur 2100 Menschen, die dort auf den Falklands andsaessig sind... Es halten aber eine gute Zahl von Kreuzfahrtschiffen dort an, und bringen guten Umsatz im Tourismus, hat man uns gesagt.
Ein voller Seetag spaeter – und was hatten wir bisher fuer Glueck, war wie ein Spaziergang und gar nicht so, wie befuerchtet, rau und schaukelig! Toitoitoi fuer die Rueckfahrt durch die Drake-Passage... :-S
Nun sind wir auf alle Faelle im Antarktischen Meer angekommen und verbringen ganze drei Tage hier mit ‚Scenic Cruising’.
Waehrend wir am Tag eins an der King George’s Island in Richtung Antarctica Sound, besser auch bekannt als „Iceberg Alley”, vorbei fahren, haben wir schon die ersten richtig schoenen, grossen Eisberge bestaunen koennen. „Eisberg in Sicht!“ toent es von der Bruecke von Captain Johannes!
Wir haben Enrichment Lecturers an Bord, die uns wissenswerte Beitraege ueber Lautsprecher mitteilen, alles rund um die Antarktis, von Flora ueber Fauna bis hin zu interessanten Fakten ueber die wissenschaflichen Basen, die hier rundherum verstreut liegen.
So wusste ich zum Beispiel nicht, dass Pinguine 75% ihres Daseins im Wasser verbringen und bis zu 40Km pro Stunde schwimmen koennen!
Tag zwei, wir haben den 20. Januar. Wir befahren die „Gerlache Strait” und es bietet sich uns eine einzigartig schoene Eislandschaft. Den ganzen Morgen fahren wir und fahren wir und sehen Pinguine, Wale, Seerobben, Voegel.
Jeder ist draussen, und staengid kommt eine Durchsage nach der naechsten, Wale auf steuerbord, Seerobben auf backbordseite, wir sind nur am Staunen und Kamera-Zuecken.
Mittags fahren wir an einer Chilenischen Wissenschaftsbasis vorbei, und nehmen Kontakt mit den Wissenschaftlern auf. Dort leben 12 Monate im Jahr 13 Mitarbeiter, die auf dieser Station das Land Chile repraesentieren. Wir schickten eine kleine Abordnung unserer Schiffsfuehrung mit einem Zodiac and Land und kamen mit fuenf Chilenischen Landsmaennern im Gepaeck zurueck: u.a. dem Commandanten der Basis, einem Elektriker, einer Krankenschwester (maennlich, dort sind weibliche Mitarbeiter eher rar!) und der wichtigsten Person: dem Koch! Wir bieten ihnen fuer einen Nachmittag unsere Azamara-Gastfreundschaft an, lassen sie ein Paar Reserven an frischem Obst und anderen Koestlichkeiten mit einpacken, und veranstalten eine Frage&Antwort-Runde fuer alle Gaeste und Crew. Das war hochinteressant – nicht alle Tage kommt man mit solch auserwaehlten Persoenlichkeiten in Kontakt und kann sie zu ihrem Alltag befragen. In Antarctica haben 29 Laender Research Stations, auf denen im Sommer ca. 4400 Mitarbeiter und im Winter ca. 1100 arbeiten und leben. Und es ist nicht so einfach, dort einen Posten zu bekommen.
Captain Johannes mag es, die Gaeste wirklich mit den ausgefallensten Dingen zu unterhalten: Wir schicken ein Paar Sailors in einem kleinen Boot raus aufs Wasser, und sie kommen mit einem riesigen Eisklotz im Schlepptau wieder.
Dieses Antarktische Eis wurde an Bord gehievt – und kaum eine halbe Stunde spaeter koennen wir Drinks Specials mit „Antarctic Ice“ an der Bar verkosten... Cheers!
Oder hier ist noch einer: Alle Reisepaesse, und nicht nur die der Gaeste, auch unsere Crew, bekommt einen (Pinguin-)Stempel von der Antarktis-Station der Chilenen, was fuer ein schoenes Souvenir!
Am Nachmittag befahren wir die Paradise Bay und ich wohne meiner ersten (voellig legalen!) Hochzeit auf See bei. Was koennte es fuer einen spezielleren Ort geben, dem suedlichsten Punkt, den wir hier auf dieser Reise erreichen, in der Paradise Bay auf der Bruecke vom Captain getraut zu werden!
Tag drei. Wir sind suedwestlich der Bransfield Straight gesegelt und nun vor Deception Island, unsere Schiffsbug schaut direkt in Neptune’s Cove. Starke Winde von bis zu 54 Knoten (!) erlauben es uns leider nicht, in die Öffnung zu Neptune’s Cove hereinzufahren, zu gefaehrlich. Es sind dort wohl schon einige Schiffe auf Grund gelaufen... Captain Johannes meinte, wir wollen keine Helden spielen, und segeln darum lieber noch eine Runde um Deception Island, wo wir eine Pinguin-Kolonie mit ca. 150 Tausend Pinguinen bestaunen koennen! Direkt davor liegt ein Schwedisches Expeditionsschiff, ich kann mir nicht vorstellen, wie es auf so einem Schiff sein muss: der Wind laesst einem alle Glieder gefrieren, es ist so eisig kalt. Und wie soll so ein kleines Segelschiff nur warm werden?? Ein Raetsel!
Die kaelteste Temperatur, die je in der Antarktis gemessen wurde, war -89ºC (Juli 1983), davon sind wir um Einiges entfernt. Dennoch moechte ich auf jeden Fall nicht mit den Schweden tauschen, und ziehe unsere gemuetliche kleine Journey vor.
Gestern abend hat es tatsaechlich angefangen zu schneien, und unsere open decks waren in eine weisse Zucker-Schicht gehuellt. Manch Inder oder Filipino hat zum ersten Mal in seinem Leben Schnee gesehn...und wir haben spaeter von einem blinden Passagier gehoert, der sich mit Hut und Karotten-Nase an die Schiffswand beim Pool geschmiegt hat...Let it snow, let it snow, let it snow...
Vor uns liegt die Überfahrt durch die Drake-Passage. Es warten Winde in Hurricane-Staerke auf uns. Augen zu und durch. Sind „nur“ anderthalb Tage und eine Nacht, bis wir in Ushuaia ankommen und nach fuenf Tagen auf See endlich wieder Land unter die Fuesse bekommen.
Antarctica, der siebte Kontinent, der fast 9% der Erdoberflaeche bedeckt, auf dem sich sieben Nationen breit gemacht haben, und Land ihr Eigen nennen (Argentinien, Australien, Chile, Frankreich, Neu Seeland, Norwegen und Gross Britannien). Antarctica, auf der es keine natuerlichen Einwohner gibt, dort, wo es keine Hauptstadt gibt, es ist ein Gebiet, auf dem laut „Antarctic Treaty“ von 1959 in friedlicher und rein wissenschaftlicher Mission gewirkt werden darf, und diese Stationen muessen jederzeit offen fuer jegliche Art von Inspektionen und Besucher sein.
Jeder ist total begeistert nach diesen drei Tagen, und nun gehoeren auch wir zu den ca. 34.000 Besuchern, die jaehrlich in diesen Teil der Welt fahren.
Antarctica – das ist wirlich ein spektakulaeres, unbeschreibliches Erlebnis!


Moin Henni! Arktische Temperaturen haben wir in der Heimat mittlerweile auch (-19°C heute morgen)- aber die Kulisse ist doch weitaus bescheidener. Schön, daß Du uns wieder ein Stück mitgenommen hast.
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